Die Berliner Guerilla-Künstlergruppe "Toy Crew" hat mit einer neuen Aktion für mächtig Ärger bei der BVG gesorgt: Ein Bekennervideo im Internet zeigt, wie die Künstler im U-Bahnhof Kottbusser Tor Stühle an der Stelle festketten, wo die BVG zuvor eine Bank abmontiert hat. "Bankraub" nennt die "Toy Crew" die Aktion.

Die Gruppe hat sich mit einem Generalschlüssel illegalerweise Zugang zu den Betriebsräumen verschafft und dort die Stühle entwendet. Diese ketteten sie dann im Bahnhof fest. Und tatsächlich setzen sich auch Wartende direkt auf die neue Sitzgelegenheit. Den Mitarbeitern der BVG gefiel das gar nicht: Das Video zeigt, wie sie die Leute auf den Stühlen vertreiben, die Kette aufbrechen und die Stühle wegtragen. 

BVG montierte Sitze am Kottbusser Tor ab

Grund für diese Guerilla-Aktion ist die neueste Maßnahme der BVG: Vor einigen Wochen montierte das Unternehmen am Kottbusser Tor Wartesitze ab. Der Verdacht der Künstler: Die BVG wolle damit vor allem das "Herumlungern" von Obdachlosen und Drogendealern im Bahnhof vermeiden. Immerhin ist das "bloße Verweilen" von Menschen im Bahnhof laut der Hausordnung der Berliner Verkehrsbetriebe untersagt. Allerdings trifft das auch alte und behinderte Menschen.

Laut BVG-Pressesprecherin Petra Reetz wurden die alten Bänke allerdings abmontiert, da sie durch Vandalismus beschädigt und zudem nicht mehr verkehrssicher waren. Neue Sitzmöglichkeiten sollen voraussichtlich in zwei Wochen kommen.

S-Bahn bepflanzt, Laub in der U-Bahn

Die Gruppe fiel schon mehrfach mit solchen Aktionen auf, die irgendwo zwischen Street Art und Vandalismus liegen. Im Herbst letzten Jahres bepflanzten sie beispielsweise eine S-Bahn. Die BVG nutzte sogar eine Aktion, bei der die Gruppe eine U-Bahn mit Laub befüllte, für ihre eigenen Werbezwecke.

Nicht so witzig finden die Berliner Verkehrsbetriebe die neueste Aktion der Künstler. Es handle sich dabei immerhin um eine Straftat, wie Pressesprecherin Reetz betonte. "Wie sie an den Generalschlüssel gekommen sind, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall nicht legal." Bei über 14.000 Mitarbeitern, die rund um die Uhr arbeiten, haben sehr viele Leute einen solchen Schlüssel.