U-Bhf Rosenthaler Platz: Graffiti-Crew tauscht Werbeplakate gegen eigene Werke aus

Kunstaktionen in U-Bahnhöfen gibt es in Berlin immer mal wieder. Zuletzt war es ein ganzes Zimmer, das Unbekannte in einem Tunnel der U-Bahnlinie 9 entdeckten. Die neueste Aktion stammt von der Berliner Graffiti-Crew "Toy" und wurde durch ein Video öffentlich, das die Initiatoren vor wenigen Tagen auf Youtube hochgeladen haben.

In dem Clip sieht man, wie Mitglieder der Graffiti-Crew im U-Bahnhof Rosenthaler Platz in aller Ruhe Werbeplakate abhängen und dafür eigene Leinwände mit Kunst aufhängen.  Die Unbekannten hatten offenbar keine große Mühe, ihre Aktion durchzuführen, denn sie kamen in Signalwesten und wurden so vermutlich für Mitarbeiter der BVG oder Wall AG gehalten, die die Werbeflächen verwaltet.

BVG: Lebensgefährliche Aktion

Die wartenden Fahrgäste im Video scheinen offenbar nichts Ungewöhnliches an der "Kunstaktion" zu finden, denn Reaktionen bleiben aus. Wie man im Video sehen kann, betreten die Crew-Mitglieder sogar die U-Bahn-Gleise der Linie U8 - eine sehr gefährliche Vorgehensweise, wie auch die BVG auf Nachfrage bestätigt.

"Das Ganze ist wirklich eine dumme Aktion, denn was die Leute dort getan haben, ist lebensgefährlich", erklärt Petra Reetz von der BVG. Zudem rufe die Aktion zu strafbaren Handlungen auf. Gegen die Täter wurde eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und gefährlichem Eingriff in den öffentlichen Nahverkehr gestellt. "Man muss sich nur mal vorstellen, was passiert wäre, wenn eine einfahrende Bahn eine Vollbremsung hätte durchführen müssen", so die BVG-Sprecherin.

Wall AG: Nachahmer verhindern

"Die Kollegen der Wall AG, die dort die Werbeplakate aufhängen, arbeiten extra nur nachts, wenn der Strom abgestellt ist", so Reetz. Denn gerade dort würde die Starkstromleitung verlaufen. "Mich ärgert es sehr, dass sowas als Sport dargestellt wird, es ist einfach nur leichtsinnig." Zumal die Aktion während des normalen Fahrbetriebs stattgefunden habe, hätte es schlimm ausgehen können.

"Unsere Mitarbeiter durchlaufen besondere Schulungen für solche Tätigkeiten", erklärt eine Sprecherin der Wall AG auf Nachfrage. Man wolle verhindern, dass es Nachahmer gebe und prüft derzeit rechtliche Schritte gegen die Toy-Crew wegen Diebstahls. Den Sprayern ging es offenbar darum, für ihre eigenen Zwecke zu werben - im Video wird auf eine Ausstellung hingewiesen, bei der man weitere Werke von ihnen sehen kann.