Berlin - Was wäre Berlin ohne die U2? Sie ist eine wichtige Ost-West-Verbindung, die beide Stadtzentren verbindet. Auch für Touristen ist sie unverzichtbar, weil sie Prenzlauer Berg, den Potsdamer Platz, das Olympiastadion und andere Tummelplätze ansteuert. Doch in diesem Jahr wird die zentrale U-Bahn-Strecke, die 2011 monatelang am Gleisdreieck unterbrochen war, schon wieder gesperrt - von heutigen Donnerstag bis Sonntag, dann noch mal in der nächsten Woche und im April.

Mit der jetzt beginnenden Unterbrechung kann sich Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB anders als mit der Sperrung im Frühjahr noch abfinden. Weil die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Weichen und Gleise erneuern, können zwischen Märkisches Museum und Stadtmitte keine U-Bahnen fahren - vom 5. bis 8. und 12. bis 15. Januar. „Gut, dass die BVG ihre Anlagen in Ordnung hält“, so Wieseke. „Jetzt kommt es aber darauf an, dass sie ihre Fahrgäste gut informiert.“ Denn diese Baustelle hat eine Besonderheit.

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Die Bauplaner empfehlen den Fahrgästen aus Richtung Pankow, bereits am Alexanderplatz in die Busse des Schienenersatzverkehrs (SEV) umzusteigen. Die Wege seien kurz. Wer dagegen mit der Bahn bis zur vorläufigen Endstation Märkisches Museum weiterfährt, muss dort entweder auf die alle 20 Minuten fahrenden Busse der Linie 265 warten - oder 400 Meter zur SEV-Haltestelle laufen. Es bestehe also die Gefahr, dass Fahrgäste „stranden“, so Wieseke. „Wichtig sind klare Ansagen in den U-Bahnen. Auf den Bahnsteigen sollte Personal eingesetzt werden, das Fremdsprachen spricht - die U 2 ist nun einmal eine Touri-Linie.“

Die ungewöhnliche Regelung hat zwei Gründe. „Zum einen kann der Bahnhof Märkisches Museum aufgrund von Gewichtsbegrenzungen einiger Straßenabschnitte nicht mit Gelenkbussen anfahren werden“, erklärte BVG-Sprecher Klaus Wazlak. Zum anderen will die BVG Fahrgästen, die am Alexanderplatz zu- oder aussteigen, ein weiteres Umsteigen ersparen.

Ring ist zur selben Zeit gesperrt

„Das sehen wir genauso“, pflichtete Wieseke bei. Die für den 7. bis zum 18. April vorgesehene Sperrung auf dem U-2-Nordteil ist für den Verbands-Vize dagegen „der Oberhammer“ - schlecht koordiniert und inakzeptabel. In diesem Zeitraum können zwischen Pankow und Rosa-Luxemburg-Platz keine U-Bahnen verkehren. Fahrgäste müssen auf Busse umsteigen - was viele ungut an den überlasteten Ersatzverkehr erinnert, den sie während der dortigen Streckensanierung 2010 monatelang erdulden mussten. Im April will die BVG den erneuerten Abschnitt nun an ein elektronisches Stellwerk anschließen, was damals aus Zeitgründen nicht möglich war.

Auch dies ist für den Fahrgastverband grundsätzlich keine Problem - der Termin dagegen schon. Die täglich von bis zu 50 000 Reisenden genutzte U-Bahn wird ausgerechnet dann gesperrt, wenn auch der benachbarte S-Bahn-Ring unterbrochen ist. Damit sind zwei parallele Trassen zur selben Zeit dicht. Wie berichtet fahren vom 30. März bis 16. April zwischen Schönhauser Allee, Neukölln und Baumschulenweg keine S-Bahnen, nur Busse. Denn auch rund ums Ostkreuz wird neue Stellwerkstechnik angeschlossen.

Ursprünglich sollte erst an der S-Bahn, danach an der U-Bahn gearbeitet werden. Aber dann dehnte die Deutsche Bahn die Ringsperrung aus - worauf BVG und Stellwerk-Hersteller Siemens nicht mehr reagieren konnten. So kam es zur Überschneidung. Zwar wird an einem Ersatzkonzept gearbeitet, das mehr Fahrten auf anderen Bahnlinien vorsieht. Daran, dass die Fahrgäste stärker als nötig belastet werden, könne dies aber nichts mehr ändern, sagte Wieseke. „Das ist und bleibt ärgerlich.“