U5 in Mitte: BVG lässt Baustellen-Hafen wieder zuschütten

Aus ihm könnte etwas werden: eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe, eine Marina für Touristenboote oder ein Gestaltungselement für den Park nebenan. Doch keiner dieser Pläne hat derzeit eine Chance, verwirklicht zu werden. Denn die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben angekündigt, dass sie ihren Baustellenhafen am Marx-Engels-Forum in Mitte zuschütten lassen.

Dem Vernehmen nach wird das etwas mehr als eine Million Euro kosten. „Wir haben das Ausschreibungsverfahren gestartet“, sagte Jörg Seegers, Technik-Chef der Projektrealisierungsgesellschaft U5. Das BVG-Unternehmen leitet den Weiterbau der U-Bahn-Linie U 5, für den der Hafen entstand. Aus dem Projekt wurde ein weiteres Problem bekannt: Der U-Bahnhof Brandenburger Tor, der erst 2009 eröffnet wurde, muss saniert werden.

80 Meter lang und neun Meter breit: So groß ist das Becken in der Spree, das vor fünf Jahren gegenüber der Schlossbaustelle gebaut worden ist. 1,5 Millionen Euro hat es gekostet. Gedacht war es nicht für Jachten oder Rundfahrtsdampfer, sondern für Güterschiffe – um die Straßen zu entlasten. Sand, Schlamm und Steine, die bei der Bohrung des U-Bahn-Tunnels zutage kamen, landeten in Kähnen. Auch Teile von „Bärlinde“, wie die Tunnelbohrmaschine hieß, wurden in dem Spreehafen verladen.

„Verschwendung von Steuergeld“

Schon als das Hafenbecken angelegt wurde, dachte manch einer darüber nach, ob aus der temporären Verkehrsanlage nicht eine dauerhafte werden könnte. Der nötige Ausbau würde dem Vernehmen nach rund 600.000 Euro kosten.

Wasser in der Stadt habe eine große Anziehungskraft, sagte der damalige (und künftige) Baustadtrat in Mitte, Ephraim Gothe. „Man kann durchaus darüber nachdenken, ob der Hafen künftig bestehen bleiben kann“, meinte er. Der Reederverband der Personenschifffahrt äußerte Interesse, dort eine Anlagestelle einzurichten.

So war der Hafen mehrmals ein Thema, und immer wieder warnten Beteiligte davor, ihn einfach zuzuschütten. „Das wäre eine Verschwendung von Steuergeld. Die Anlage hat viel Geld gekostet“, hieß es. Mit einem simplen Verfahren ließe sich die Verpflichtung, wonach die BVG als Bauherr der U5 den Hafen zuschütten muss, aufheben. Nach Informationen der Berliner Zeitung wies die BVG über drei Jahre hinweg darauf hin, dass eine Entscheidung nötig sei. Zuständig sei nicht nur das Land, sondern auch der Bund, weil die Spree Bundeswasserstraße ist.

„Die Diskussion wurde mehrmals geführt“, bestätigte Jörg Seegers. „Doch die Ideen und Vorschläge sind am Ende nicht durchgeschlagen.“ Darum werde die BVG das unternehmen, wozu sie nach dem bisherigen Stand verpflichtet ist: Wenn der Hafen nicht mehr benötigt wird, muss er beseitigt werden und das alte Ufer wieder entstehen. „Die Rechtslage ist eindeutig. Aus dem Nikolaiviertel hören wir von Bürgern: Stellt den Uferweg wieder her“, so der Planer.

Er geht davon aus, dass der Auftrag für den Rückbau, wie die Bauleute die Aktion nennen, im kommenden Januar erteilt wird. Kurz darauf, spätestens im Februar 2017, sollen die Arbeiten beginnen. „Die Bauleute müssen im Winter fertig werden, weil der Schiffsverkehr in der warmen Jahreszeit zu stark ist“, sagte Seegers.

Neuer U-Bahnhof ist undicht

Die Schließung der Lücke in der U-Bahn-Linie U 5 ist das größte Verkehrsprojekt in Mitte. Für die Strecke zwischen den Stationen Alexanderplatz und Brandenburger Tor sind bislang 525 Millionen Euro einkalkuliert. Ende 2020 soll die neue Ost-West-Trasse in Betrieb gehen, bekräftigte Seegers.

Doch bis dahin ist noch einiges zu tun. So muss der U-Bahnhof Brandenburger Tor, von dem aus derzeit ein Zug zum Hauptbahnhof pendelt, saniert werden – obwohl er erst vor sieben Jahren eröffnet worden ist. Der Technik-Chef bestätigte, dass Wasser in das unterirdische Bauwerk eindringt. Wer sich in dem Bahnhof unterm Pariser Platz umsieht, entdeckt an der Decke feuchte Bereiche.

„Viele Schwachstellen sind bereits geschlossen worden“, so Seegers. Voraussichtlich 2018 müsse der Pendelzug vorübergehend eingestellt werden, um das Projekt U 5 weiterzuführen. „Diese Sperrung soll dazu genutzt werden, im Bahnhof nötige Instandhaltungsarbeiten vorzunehmen“, sagte er.

Der Bau des U-Bahnhofs habe vor mehr als zehn Jahren begonnen: „Da ist es doch normal, dass jetzt Arbeiten erforderlich sind.“