Ein Bild aus dem Bautagebuch 2018: Ein Bauarbeiter läuft durch eine der beiden neuen Tunnelröhren in MItte. Inzwischen liegen auch hier Gleise.
Imago Images/ Jürgen Heinrich

BerlinNicht mehr lange, dann ist es so weit. In wenigen Tagen soll damit begonnen werden, die letzte Lücke im Gleis zu schließen. Anfang Juni könnte dann erstmals eine U-Bahn über die neue unterirdische Trasse rollen. Für die Inbetriebnahme der U5-Verlängerung in Mitte läuft der Countdown, und intern hält man es für möglich, dass die neue Ost-West-Strecke nicht erst im Dezember, sondern vielleicht schon im November 2020 ans Netz geht. Dazu will Technik-Chef Jörg Seegers momentan noch nichts sagen, aber so viel sei auf jeden Fall klar: „Das Projekt geht sehr gut voran.“  

Berliner und Berlin-Touristen müssen sich umgewöhnen. Denn noch in diesem Jahr sollen die Straße Unter den Linden und das Marx-Engels-Forum von den Bauzäunen, Bürocontainern und Baumaschinen befreit werden, die dort seit langem Blicke und Wege versperren.

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2021 soll die U-Bahn-Baustelle verschwunden sein. Dann kann die einstige Prachtstraße aufgeräumt werden, und die mehr als 110  Bäume, die entlang der Neubaustrecke gefällt werden mussten, werden nachgepflanzt. Wenn oben das letzte Bauschild entfernt wird, werden unter der Straße schon U-Bahnen nach Hönow und zum Hauptbahnhof fahren – tagsüber im Fünf-Minuten-Takt.

Die U5, die quer durch Berlin führt, wird neue Direkt- und Umsteigeverbindungen ermöglichen. Die Fahrplanauskunft der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zeigt bereits Fahrzeiten an: in 41 Minuten von Hönow zum Hauptbahnhof, in 41 Minuten zurück.

Museumsinsel: Eine der schönsten Stationen Berlins

Die beiden kreisrunden Tunnelröhren, von einer Vortriebsmaschine namens „Bärlinde“ gebohrt, sind lange fertig. Auf dem Neubauabschnitt, der vor dem Roten Rathaus an die jetzige U5 anschließt und bis zum U-Bahnhof Brandenburger Tor unter dem Pariser Platz führt, liegen schon 2500 Kubikmeter Schotter, 4530 Meter Schienen und 3145 Schwellen. Mit einer Ausnahme: Im künftigen U-Bahnhof Museumsinsel ist die Trasse noch unterbrochen.

So soll der U-Bahnhof Museumsinsel aussehen - eine Simulation des Architekten Max Dudler. Ab Mitte 2021 werden dort Züge halten.
Simulation: Max Dudler

„Doch auch das ändert sich“, sagte Technik-Geschäftsführer Seegers. Am Montag sollen die Arbeiten beginnen. Schottersteine werden aufgeschüttet, Schwellen und Schienen verlegt, Stromschienen montiert. Die neuen Gleise werden bald gebraucht, denn der blaue Sternenhimmel, der im U-Bahnhof Museumsinsel die Gewölbe über den beiden Gleisen zieren soll, soll auf dem Schienenweg kommen.  Er wird die Station, die sich beim Schloss in rund 25 Meter Tiefe erstreckt, zu einer der schönsten U-Bahn-Stationen Berlins machen. 50 Projektoren und Glasfaserkabel lassen rund 7 200 Lichtpunkte leuchten. Architekt Max Dudler ließ sich von einem Bühnenbild inspirieren, das der Baumeister Karl Friedrich Schinkel 1816 für Mozarts Oper „Zauberflöte“ gemalt hat.  

„Ende April wollen wir die Stromschiene scharf schalten“, berichtete Jörg Seegers. „Ab dann darf niemand mehr im Gleisbett herumlaufen.“ Mit Kurzschlussversuchen und anderen Tests werde geprüft, ob die Stromversorgung für die 2,2 Kilometer lange Neubautrasse stabil ist.  

Ab Anfang Juni sollen nicht mehr nur Bauzüge, sondern auch U-Bahnen auf den Gleisen rollen. Dann beginnen die Probefahrten, die für die Prüfung und Inbetriebnahme der Zugsicherungsanlagen nötig sind – sowie für die Abnahme der gesamten neuen Anlagen durch die Technische Aufsichtsbehörde des Landes, erläuterte der BVG-Sprecher Jannes Schwentu.

Grafik: BLZ/Galanty

500 BVG-Beschäftigte lernen die neue U5-Strecke kennen

Im darauffolgenden Herbst wird der unterirdische Zugbetrieb noch dichter werden. Rund 500 „Fahrberechtigte“ sollen die Neubautrasse bei Einweisungsfahrten kennenlernen. Nicht nur Fahrpersonal wird in den Führerständen sitzen, auch Zugprüfer und Betriebsaufsichten müssen Streckenkenntnis erlangen. Stellwerker, Serviceleute und Mitglieder anderer Berufsgruppen werden die U5 ebenfalls kennenlernen.    

Im Tunnel zwischen den Stationen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof, der seit 2009 als Linie U55 in Betrieb ist, dürfte zu dieser Zeit ebenfalls schon einiges los sein. Der Abschnitt unter dem Parlaments- und Regierungsviertel, auf dem bis zu 64 Jahre alte U-Bahn-Oldtimer vor allem Touristen befördern, wird wie 2018 für einige Monate für den Fahrgastbetrieb gesperrt.  

„Die U55 wird letztmalig Anfang Juni im Betrieb sein, anschließend finden Fugensanierungen, der Rückbau der Geländer am Gleis 1 und Anpassungen der Blindenleitsysteme statt“, so Schwentu. Die Linienbezeichnung U55 ist dann Geschichte.  

Die Linienbezeichnung U55 verschwindet

Ende 2020 geht die Kurz-Strecke, mit gerade mal 1,4 Kilometern Betriebslänge die kürzeste U-Bahn-Linie dieser Stadt und einst als „Stummel-U-Bahn“ geschmäht, wieder in Betrieb – dann jedoch als Teil der U5 von Hönow zum Hauptbahnhof. 

Doch wann genau ist es so weit? Wann öffnet die neue Ost-West-U-Bahn-Verbindung? Dazu will noch niemand etwas offiziell sagen – außer: Ende 2020 klappt! Die BVG-Fahrplanauskunft im Internet verzeichnet die ersten Züge auf der verlängerten U5 für den 19. November 2020. Erste Fahrt: 4.18 Uhr ab Hauptbahnhof.

In der Tat: Der 19. November steht auch in Terminplänen als Startzeitpunkt, bestätigte die Projektgesellschaft. „Das ist ein internes Datum, das nach draußen gelangt ist“, war zu erfahren. Noch sei es aber keineswegs ausgemacht, dass dann wirklich schon U-Bahnen mit Fahrgästen durch den neuen Tunnel rollen werden. Eines ist aber klar: „Wir wollen die Strecke auf jeden Fall vor Weihnachten 2020 eröffnen“, sagte Jörg Seegers – damit Techniker und Arbeiter zwischen den Jahren nicht zurückkehren müssen. Seegers dementierte nicht, dass es schon im November oder Anfang Dezember losgehen könnte – wenn alles weiter so gut klappt. Mit der Eröffnung der U5 wird der U-Bahnhof Französische Straße an der U6 für den Zugbetrieb geschlossen. Die Station unter der Friedrichstraße liegt zu nahe am U-Bahnhof Unter den Linden, wo die U5 die U6 kreuzt.

Kosten übersteigen das Budget um wenige Prozent

Eines sei klar: Wie berichtet werden die U-Bahnen die Station Museumsinsel mit ihrem Sternenhimmel zunächst ohne Halt durchfahren. In dem Bahnhof, für dessen Rohbau ein riesiger unterirdischer Eisblock das Grundwasser in Schach hielt, ist noch einiges zu tun. „Der U-Bahnhof Museumsinsel wird voraussichtlich im Sommer 2021 eröffnet“, sagte Stephanie Niehoff, die Sprecherin der Projektgesellschaft für die U5.

Ursprünglich sollte die gesamte Neubaustrecke 2017 fertig sein. Es hat länger gedauert, das stimmt. Doch es handelt sich um eine Verspätung, die im Vergleich zum BER fast schon zu vernachlässigen ist.

Mit enormen Mehraufwendungen wie am Flughafen ist ebenfalls nicht zu rechnen. Zwar waren die Kosten 2013 von 433 Millionen auf 525 Millionen Euro korrigiert worden. Doch bei der U5 wird sich die Verteuerung  auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag beschränken. Chef-Controller Dennis Backwinkel im Newsletter "Lückenschluss": „Wir haben rund 80 Prozent der Gesamtleistungen abgerechnet. Danach wird das Budget noch nicht einmal um fünf Prozent überschritten“ – falls nicht doch noch Risiken eintreten.