Ist der Ausverkauf der Stadt noch zu stoppen? Wie wehren sich Nachbarschaften gegen Bodenspekulation und Verdrängung? Und wo gibt es noch Raum für Experimente? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich eine Woche lang das Festival „Urbanize!“ rund um das Thema „Recht auf Stadt“.

Bei Vorträgen, Workshops und Stadtteilführungen geht es darum, Ideen für solidarische, kollaborative und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung zu teilen. Ein Thema, das nicht nur Urbanisten, Stadtplaner und Architekten umtreibt, sondern zunehmend immer mehr Bewohner Berlins.

Berlin wird weiter wachsen

Laut Deutschland-Report der Prognos AG gehört Berlin auch in den nächsten Jahrzehnten zu den am stärksten wachsenden Städten in Deutschland. Gut vier Millionen Einwohner werde Berlin im Jahr 2045 beheimaten, heißt es in der aktuellen Studie, wobei der größte Zuwachs bis 2030 zu erwarten sei. Dann soll Berlin knapp 3,9 Millionen Einwohner haben.

Bis dahin werden jährlich 25.000 neue Berliner hinzukommen. Damit liegen die Studienautoren am oberen Rand der Szenarien, die der Senat für 2030 entworfen hat. Der Zustrom der Neubürger treibt auch das Wirtschaftswachstum weiter voran: Die Forscher rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt jährlich um 1,5 Prozent zulegt – etwas stärker als im Bundesdurchschnitt, aber leicht weniger als in den süddeutschen Bundesländern. 2030 werde die Arbeitslosenquote auf 7,1 Prozent gesunken sein. 2017 waren es 9 Prozent gewesen.

Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Aktivismus

Es ist höchste Zeit, städtisches Engagement ins Bewusstsein zu rücken – das ist jedenfalls das Interesse der Macher des „Urbanize!“-Festivals. Jene, die sich am Freitag zum Auftakt im Moabiter Zentrum für Kunst und Urbanistik in einfanden, haben das bereits verinnerlicht. Sie standen an für gefüllte Paprika, Kürbis und Hummus, unterhielten sich unter Lichterketten und blätterten durch Ausgaben der „dérive“, einer Zeitschrift, die vom gleichnamigen Verein für Stadtforschung herausgegeben wird.

Der Verein wurde 2000 in Wien ins Leben gerufen und versteht sich als Initiative für die Verwirklichung einer urbanen Gesellschaft, an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Aktivismus. Zum zehnten Geburtstag ihres Unterfangens riefen die Wiener das „Urbanize!“ ins Leben, als „Internationales Festival für urbane Erkundungen“. Nach einem Gastspiel in Hamburg ist dieses Jahr Berlin Austragungsort. Wie lässt sich Stadt gestalten? Antworten liefern diesmal gut 30 stadtentwicklungspolitische Akteure aus Berlin und auswärtige Gäste.

Sorgenkinder der Stadtentwicklung

Architekt Mathias Heyden hat gemeinsam mit Julian Zwicker das Programm koordiniert. Er konstatierte am Freitag „ein sehr viel stärkeres Zugehen aufeinander“ zwischen Regierung und Regierten, auf Bezirks- wie Landesebene. Ein Beispiel dafür ist das Zentrum Kreuzberg. Erst vergangenen Montag hatten dessen Mieterrat und die Gewobag in einer Kooperationsvereinbarung festgehalten, dass Mieter zukünftig mitreden können, wenn es um Investitionen und Vermietung geht.

Aber es gibt in puncto Stadtentwicklung auch noch viele Sorgenkinder. Eines ist das Kreuzberger Dragoner-Areal. Wie es dort weitergehen könnte, soll etwa am Donnerstag in der Amerika-Gedenkbibliothek diskutiert werden. (mit dpa)