Das Frauenskelett wurde bei Erdarbeiten für die Errichtung von Windkraftanlagen entdeckt.
Foto: dpa/Philipp Roskoschinski/Archaeros-Archäologische Beratung und Projektausführung

BietikowArchäologen sind bei Bauarbeiten in Bietikow in der Uckermark auf das Skelett einer Frau gestoßen, die möglicherweise in der Jungsteinzeit dort begraben wurde. Die Tote sei vermutlich zwischen 2500 und 2200 vor Christus beigesetzt worden, sagte der Archäologe Philipp Roskoschinski am Donnerstag. Darauf deute die hockende Haltung der Toten hin. Weitere Untersuchungen sollen die Datierung eingrenzen. Sie könnten zudem Erkenntnisse über die Besiedlung der Region am Ende der Steinzeit liefern.

„Der Fund hat kein Ötzi-Potenzial, aber er ist archäologisch selten und sehr interessant“, erklärte Roskoschinski. Im Gegensatz zum Ötzi, der im Eis der Alpen samt seiner Ausrüstung mumifiziert wurde, habe man von der Frau lediglich Knochen, aber keinerlei organisches Material gefunden. „Möglich, dass die Dame in einem wunderschönen Grab mit duftenden Gräsern und Speisen lag. Das sehen wir heute nicht mehr.“

Das genaue Alter der Frau müsse in weiteren Untersuchungen noch ermittelt werden.
Foto: dpa/Philipp Roskoschinski/Archaeros-Archäologische Beratung und Projektausführung

Die Frau sei wahrscheinlich innerhalb einer Siedlung begraben worden, erklärte der Archäologe. Dafür könnten sowohl äußere Einflüsse wie Seuchen oder andere Katastrophen, aber auch religiöse Gründe verantwortlich sein, etwa dass man Angehörige nach dem Tod in der Nähe behalten wollte. Die Hockerbestattung sei eine der ältesten Formen der Niederlegung von Verstorbenen. Dabei werden Leichname mit angewinkelten Gliedmaßen bestattet.

Hohe wissenschaftliche Bedeutung

Für das Brandenburger Landesamt für Denkmalpflege hat der Fund eine hohe wissenschaftliche Bedeutung. „Im Zusammenhang mit den darumliegenden Siedlungsbefunden können wir Fragen zur Ausbreitung der Kulturen in der Entwicklung der Menschheit beantworten“, sagte Landesamtssprecher Christof Krauskopf dem Inforadio des RBB. „Man kann da vom Einzelbefund letztlich zum großen Rahmen der gemeinsamen europäischen Geschichte kommen.“ Nun müssten weitere Analysen abgewartet werden. Ob man den Fund der Öffentlichkeit zeigen könne, hänge unter anderem davon ab, ob das Skelett in seinem Erhaltungszustand ausstellbar sei.

Durch eine Radiokarbondatierung könne man das Alter näher bestimmen, durch eine Analyse der Zähne lasse sich feststellen, ob sie aus der Uckermark stamme oder eingewandert sei, sagte Roskoschinski. Daraus könne man Rückschlüsse auf die Besiedlungsgeschichte der Region ziehen. „Gerade zum Ende der Jungsteinzeit ab 2500 vor Christus hat es in der Region soziale Umwälzungen gegeben“, sagte er. Damals seien Hirten aus dem Osten auf sesshafte Bauern getroffen.