Berühmt und brutalistisch: der "Mäusebunker" aus dem Jahr 1970.
Foto:  Andreas Klug

Berlin - Die  Charité hat den Abrissantrag für das Hygiene-Institut am Hohenzollerndamm in Steglitz  zurückgezogen,  will aber das von Fehling & Gogel 1966 entworfene Gebäude mindestens einer voraussichtlich tief in die Substanz eingreifenden „Kernsanierung“ unterziehen. Das teilte Charité-Bau-Chef Jochen Brinkmann mit. Der Bau ist offenbar doch ohne größere Probleme als reines Forschungsinstitut umzunutzen. Der direkt benachbarte, von Gerd und Magdalena Hänska als Zentrale Tierlaboratorium seit 1970 geplanten „Mäusebunker“ soll aber nach wie vor abgerissen werden. Die Charité plant hier den Ausbau des Forschungscampus um das Klinikum Benjamin Franklin.

Doch die Proteste wachsen. Die Online-Petition gegen die Abrisspläne, die der Architekt Gunnar Klack und der Kunsthistoriker Felix Torkar gestartet haben, hat inzwischen mehr als 3000 Unterschriften aus aller Welt erhalten. Am Dienstagmittag publizierten zudem die in Sachen Moderne hochaktive Berliner Architekturgaleristin und einstige Direktorin des Niederländischen Architekturinstituts, Kristin Feireiss, zusammen mit dem Kunsthistoriker Adrian von Buttlar einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister und die Charité. Buttlar hat mit der Architekturhistorikerin Kollegin Kerstin Wittmann-Englert an der Technischen Universität (TU) vor einigen Jahren das maßgebliche Handbuch zur Nachkriegsarchitektur in Berlin herausgegeben, er war lange Vorsitzender des Landesdenkmalrats. Feireiss und Buttlar fordern, diese beiden herausragenden Variationen des Brutalismus der Nachkriegsarchitektur unbedingt zu erhalten. Sie unterstützen dabei vehement die Untersuchungen des Landesdenkmalamts – bisher stehen beide Bauten nicht auf der Denkmalliste – und die ebenfalls auf einen Erhalt ausgerichteten Empfehlungen des Landesdenkmalrats.

Außerdem gibt es für die 12.000 Quadratmeter Nutzfläche des „Mäusebunkers“ inzwischen diverse Nachnutzungs-Ideen. Die Charité und die Wissenschaftsverwaltung hatten, wie der Berliner Zeitung bestätigt wurde, nur im weiteren Bereich der klinischen Forschung nach Neunutzern gesucht. Nicht gefragt wurden hingegen andere Hochschulen. Zudem sind die Räume ausweislich der im Netz veröffentlichten Pläne der Hänskas  deutlich besser belichtet und höher als die zunächst angegeben zwei Meter. Selbst die nach Außen weitgehend geschlossenen Techniketagen sind immerhin etwa 2,40 Meter hoch. Die hingegen mit langen Fensterreihen versehenen Stall-, Büro- und Laborgeschosse sind etwa 2,90 Meter hoch, wie es die Büro-Normen der 70er-Jahre vorsahen, teilweise sogar bis zu vier Meter.

Erste Ideen für Alternativnutzungen sehen hier Kunstlager und Ateliers vor. Eher utopisch sind Konzepte für Kulturzentren, der in einem Studierendenseminar an der TU vorgeschlagene Umbau zu einer Boulderhalle oder die Verwendung als Sockel für Wohnhäuser. Ein anderer Vorschlag ist, dort Computer  und Speicher der TU unterzubringen, die Kühle und sicheren Abschluss verlangen. Reichlich Platz wäre dann immer noch für die Archive und die Lagerung der wissenschaftlichen Sammlungen der Universität, die unter chronischem Platzmangel leiden. Die Debatte wird weitergehen.