Häusliche Pflege.
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BerlinSie wurden mit Applaus gefeiert, gelten nach wie vor als die Helden der Corona-Krise und sind längst auch ein Symbol für Fachkräftemangel in Deutschland: die Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege. Doch offenbar hält man sie mancherorts keineswegs für unverzichtbar, denn während der Pandemie verloren auch Pflegekräfte zuhauf ihre Jobs, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervorgeht.

So erhöhte sich hierzulande die Zahl der Arbeitslosen unter deutschen Beschäftigen in der Altenpflege laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit von Jahresbeginn bis Ende Juni um 27 Prozent auf etwa 27.700. Unter den ausländischen Beschäftigten in der Altenpflege ging die Zahl sogar um 37 Prozent auf rund 10.000 Arbeitslose nach oben. In der Krankenpflege verloren in dieser Zeit fast 9000 deutsche und nahezu 3900 ausländische Beschäftigte ihren Job. Dort stieg die Arbeitslosigkeit um 23 oder 28 Prozent. Die Bundesagentur nannte unter anderem weniger Neueinstellungen und eine erschwerte Vermittlung von Arbeitskräften während der Corona-Pandemie als Begründung.

Tatsächlich ging auch in Berlin die Arbeitslosigkeit in den genannten Bereichen nach oben. Wie bei der hiesigen Regionaldirektion der Arbeitsagentur zu erfahren war, gab es in der Berliner Krankenpflege im Juli etwa 200 Arbeitslose mehr als im Juli vergangenen Jahres, was einem Anstieg um 27 Prozent entspricht. In der Altenpflege wurden 2740 Arbeitslose gezählt. Das waren sogar über 600 mehr als im Juli 2019, ein Anstieg um 30 Prozent.

Über die Gründe dafür ist man sich in der Berliner Arbeitsagentur im Unklaren. Schließlich ist dort der Fachkräftemangel im Pflegebereich bekannt. Bei der Gewerkschaft Verdi vermutet man, dass Jobs vor allem bei ambulanten Pflegediensten gestrichen wurden, weil Familienmitglieder im Homeoffice während Corona die häusliche Pflege eines Angehörigen oft selbst übernahmen oder sie den Kontakt der Betreuungsperson mit dem Pflegepersonal vermeiden wollten. Meike Jäger, bei Verdi für den Bereich Gesundheit und Pflege in Berlin verantwortlich, geht daher davon aus, dass viele Jobs dort wieder zurückkehren werden. Sie hat aber auch erfahren, wie in Altenheimen Stellen für Ergo- und Physiotherapeuten unter dem Vorwand von Corona gestrichen wurden, um Kosten zu sparen.

Dabei wird im deutschen Pflegebereich ohnehin geradezu beispiellos gespart. Wer seinen Job dort nicht verloren hat, wird also sicherlich schlecht bezahlt. Denn wie aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit zur Lage in der Pflege ebenfalls hervorgeht, verdienten bundesweit 28,3 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Altenpfleger in Vollzeit in Deutschland nur einen Niedriglohn. Im Osten des Landes liegt der Anteil sogar bei 40,7 Prozent.

Laut Meike Jäger von Verdi verdiene eine erfahrene Fachpflegekraft im Krankenhaus derzeit etwa 2800 Euro brutto im Monat. Sie fordert Facharbeiterlöhne wie in der Metall- oder Chemiebranche. „Arbeit mit Menschen sollte nicht schlechter bezahlt werden als Arbeit mit Maschinen“, sagt Jäger.

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