Berlin - Wieder sorgt ein Raser-Unfall für Schlagzeilen. Wieder sterben Menschen, weil ein Fahrzeug mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war. Am Dienstagabend rast ein 450 PS starkes Auto durch Treptow. Bei schätzungsweise Tempo 150 kommt es ins Schleudern, wird in zwei Teile zerrissen und gerät in Brand.

Es ist ein weiterer Anlass, spektakuläre Fotos zu schießen. Und um Fragen zu stellen: Warum brettern junge Männer mit absurd hochmotorisierten Autos durch die Stadt? Um ihrem Selbstwertgefühl aufzuhelfen, ihren Status zu erhöhen? Warum ist es immer noch so einfach, Quasi-Rennwagen zu mieten, obwohl klar ist, dass solche Fahrzeuge für kriminelle Profilierungsfahrten genutzt werden?

Doch es wäre falsch, sich nur auf solche Fälle zu konzentrieren und den Normalzustand auszublenden. Der Unfall in Treptow ist die extreme, tödliche Ausprägung eines Verhaltens, das alltäglich ist. Zu schnelles Fahren wird nicht erst dann gefährlich, wenn jemand auf Tempo 150 beschleunigt. Risiken entstehen auch, wenn ein Tempo-30-Bereich vor einer Schule mit 45 Kilometern pro Stunde durchfahren wird, weil man spät dran ist. Delikte dieser Art ereignen sich täglich ungezählte Male. Zwar hat die Polizei weitere Blitzer angeschafft, doch es sind immer noch zu wenige. Schon für die jetzigen Anlagen fehlt Personal, das die Bußgeldbescheide schreibt.

Alltägliches Rasen gilt auch deshalb als Kavaliersdelikt, weil schnelles Fahren immer noch ein Statussymbol ist. Wer in vier bis fünf Stunden von Berlin nach München fährt, kann mit Lob rechnen. Wer eine schwere leistungsstarke Limousine kauft, wird nicht kritisiert, schon gar nicht, wenn es ein Elektroauto ist. Über das alltägliche Rasen muss gesprochen werden – mindestens genauso wie über spektakuläre Unfälle wie in Treptow.