Ein Hund läuft an der Ärztekammer in Berlin vorbei. In der Hauptstadt haben es die Vierbeiner nicht leicht, meint Torsten Harmsen.
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Berlin„Ick koof ma'n Hund!“, sagt mein innerer Berliner. „Wieso denn so plötzlich?“, frage ich. „Da frachste noch? Et wird Zeit! Ohne Hund is man doch jar keen richtija Berliner. So'n Hund is imma nett, wackelt mit'n Schwanz, kiekt mit treue Kulleroogen zu dir hoch und ist dankbar für allet. Und draußen kommste imma int Jespräch mit andre Hundefritzen!“

Ja, ich weiß. Ohne Hunde wäre Berlin nicht das, was es ist. Hunde wurden einst sogar zum Arbeiten gebraucht. Wie man auf alten Bildern sehen kann, mussten sie kleine Marktkarren mit Obst und Gemüse durch die Straßen ziehen. Und wer es sich leisten konnte, hielt auch schon damals Hunde nur zum Zeitvertreib. „Lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Paletot“, heißt es in einem alten Kinderreim.

Der geht zurück auf das 18. Jahrhundert, als der Mops der Berliner Modehund war. Die Mutter des Alten Fritzen liebte ihn. Er war der Verwöhnhund für feine Damen. Bis heute findet er sich in der Sprache. Man fühlt sich „mopsig“ oder „mopsfidel“, man „mopst sich gewaltig“ oder „mopst“ irgendwas.

Ich müsste den Hundehaufen beseitigen

Die Hunde auf der Straße hatten es allerdings nie einfach. Auch das zeigen die Berliner Sprüche: „Dit is hundekalt draußen!“ – „Dit jammert ja 'n Hund“ – „Da schickt man ja keen Hund vor de Türe!“ – „Dit is zum Junge-Hunde-Kriejen“. Jemand ist bekannt „wie'n bunter Hund“, „kalt wie 'ne Hundeschnauze“ oder einfach nur „'n Hundsfott“.

Soll sich mein innerer Berliner doch einen Hund anschaffen! Mich soll er aber damit in Ruhe lassen. „Hauptsache, du hast künftig immer 300 Euro bei dir, wenn du mit dem Vieh rausgehst“, sage ich zu ihm. „Wieso?“, fragt er. „Na, wegen des neuen Berliner Bußgeldkatalogs. Wenn dein Vieh einen Haufen auf die Straße setzt und du die Hinterlassenschaft nicht eintütest und wegschaffst, musst du neuerdings ordentlich blechen! Vorausgesetzt, jemand kontrolliert.“

Plötzlich fällt mir ein, dass mein innerer Berliner ja niemals ohne mich rausgehen kann und dass ich dann den Haufen beseitigen muss. Er spürt meinen Unmut: „Okay, ich seh’s ja ein. Dann also keen Hund! Dit mit die Tüte jeht mir sowieso jejen den Strich. Wie lange braucht so’n Haufen, bissa verrottet is? Ein paar Wochen. Und wie lange braucht ’ne Tüte? Jahre! Wir zwingen die Leute, Einkoofstüten zu sparen und tüten dafür Wuffiwürste ein. So een Blödsinn! Und viele stelln die Dinger ooch noch an Straßenrand, statt se mitzunehmen. Die Welt jeht ehm vor de Hunde. Dajejen helfen ooch Bußjelda nischt.“