„Farbe, Farbe!“: So endet ein Gedicht von Tomaž Šalamun. Es sind Ohrwurmworte, und so viel klingt in ihnen an. Vor allem Freude. Vielleicht murmele ich sie deswegen immer vor mich hin, wenn die Stadt mich auf Schritt und Tritt beschenkt. Gerade in dieser Zeit. Denn jede Gabe ein Trotzalledem. Und an jedem Päckchen hängt ein Anhänger mit der Aufschrift „Nicht verzweifeln“.

Die erste Freude des Tages kann schwimmen. Erhabenen Hauptes gleitet die Schwanenfamilie am Ufer entlang. Wieder einmal sind die Jungen groß geworden und der weiße See wirkt noch kleiner als Kulisse für ihre Runden. Am Antonplatz tauchen sie noch einmal vor meinem inneren Auge auf. Der runde weiße Bauch des Kino Toni hat auch etwas Schwanenhaftes, seine schlichte Würde braucht jedoch keinen gereckten Hals. Um mich herum erwacht der Markt. Auch er ist gewachsen in den letzten zwei Jahren, ein weiterer Grund, den Kopf zu heben, statt das feuchte Dunkelgrau des Pflasters mit der Farbe der Radionachrichten zu vergleichen. Ich freue mich sogar darüber, dass es auf dem Markt Körbe gibt. Dabei will ich gar keinen haben. Der Gedanke reicht, dass es Menschen gibt, die mit Körben einkaufen. Das hat was Altmodisches und Märchenhaftes zugleich, man denke an das unerschrockene Mädchen mit der roten Kappe.

Wie eine Assoziation auf kurzen Beinen kreuzt in diesem Moment eine Kitagruppe meinen Weg. Ich freue mich über die aufgereihten Kinder und darüber, dass immer wieder eines ausbricht oder rausfällt aus der Reihe und erinnere mich an den Trupp, der in einem Winter vor vielen Jahren in der Tram kollektiv umfiel, wie Dominosteine, weil der Fahrer eine Vollbremsung machen musste. Erinnere mich an die Geduld der Erzieherinnen beim Sortieren der Kinder und Dinge. Das holt mich zurück in die Gegenwart.

Langmut ist zum Glück noch nicht ganz aus der Mode gekommen, die Wartenden an der Ersatzhaltestelle beweisen es. Es sind viele, was vermuten lässt, dass schon länger keine Straßenbahn kommt. Gereiztheit ist nicht zu spüren. Ich beschließe, ein Stück der Strecke zu laufen und freue mich über meine gesunden Beine. Und weil das Sichfreuen gerade so Laune macht, knickse ich noch vor der Wintersonne, verbeuge mich vor dem schönen Klang des Wortes Advent, dem kein Schrecken etwas anhaben kann und werde abends mein Glas auf die Tatsache erheben, dass es auch in böigen Zeiten gilt: Überall ist Farbe, Farbe! Fortsetzung folgt.