Berlin - Der am Sonntag am Alexanderplatz in Berlin zusammengeschlagene Mann ist am Montagnachmittag gestorben. Die Polizei ermittelt nun nicht mehr wegen versuchten Totschlags, sondern wegen Mordes.

Der Deutsche mit vietnamesischen Wurzeln war am Sonntag gegen 4 Uhr von einer Horde Schläger in der Rathausstraße in Mitte zu Boden geprügelt worden. Von den Tätern fehlt jede Spur. Sie sollen türkisch-arabischer Herkunft sein. Das Motiv für die Tat ist unklar. Ermittler sprechen von „reiner Mordlust“. In der Hauptstadt hat die Tat eine neue Debatte über Gewalt ausgelöst.

Wowereit betroffen

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zeigte sich am Montag vom Tod des jungen Mannes sehr betroffen. Die Ermittlungsbehörden würden alles tun, um diese abscheuliche Gewalttat aufzuklären und die Täter festzunehmen, sagte Wowereit. Niemand dürfe wegschauen, wenn er Zeuge solcher Taten werde.

Vor dem Hintergrund, dass sich in der Hauptstadt in den letzten Wochen mehrere aufsehenerregende Gewalttaten ereignet haben, betonte Wowereit, dass sich „Berlin niemals mit brutaler und sinnloser Gewalt abfinden wird“. Jetzt müsse alles dafür getan werden, die Täter zu ermitteln und sie zur Verantwortung zu ziehen.

Die Berliner Polizei sieht den Alexanderplatz mit dem Gebiet um den Fernsehturm sowie dem S- und U-Bahnhof als einen Brennpunkt von Kriminalität. Schon vor einer Woche war dort ein 23-Jähriger niedergeschossen worden. Nach einer Notoperation schwebt er nach Polizeiangaben nicht mehr in Lebensgefahr.

Am vergangenen Sonnabend gab es im Bahnhof eine Schlägerei. Der Angriff auf den 20-Jährigen am Sonntagmorgen erinnert wegen seiner Brutalität auch an eine Attacke im U-Bahnhof Friedrichstraße am Ostersonnabend 2011. Das Opfer wurde damals ebenfalls von blindwütigen Fußtritten gegen den Kopf schwer verletzt. Ein Video der Szene, das aus einer Überwachungskamera stammte, löste bundesweit Entsetzen aus.

Henkel: „Rote Linie weit überschritten“

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, der Angriff in der Rathausstraße habe ihn zutiefst schockiert. Das gehe ihm als Familienvater unter die Haut. „Hier ist eine rote Linie weit überschritten, wenn ein Mensch in unserer Stadt solch unfassbarer Gewalt ausgesetzt ist“, sagte Henkel. Auch Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) sprach von „unbegreiflichen Gewalttaten“.

Derartige Gewaltexzesse schadeten dem Image Berlins. Der Chef des Berliner Tourismusverbandes „Visit Berlin“, Burkhard Kieker, widersprach allerdings: „Die jüngsten Gewaltattacken sind Erscheinungen einer Großstadt.“ Diese müssten auch mit den polizeilichen Mitteln einer Großstadt bekämpft werde.

Der CDU-Innenexperte Peter Trapp sagte: „Wie abgestumpft und brutal muss man sein, wenn man einem völlig wehrlosen Menschen gegen den Kopf tritt.“ Der Grünen-Innenexperte Benedikt Lux forderte mehr Polizeipräsenz am Alexanderplatz. Und die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) will mehr Sicherheits-Personal. Klaus Eisenreich von der Gewerkschaft der Polizei kritisierte, dass der Senat in den vergangenen Jahren 4 000 Polizisten eingespart habe.