Berlin - Im Prozess um den dreisten Überfall von „Müllmännern“ auf einen Geldtransporter auf dem Kurfürstendamm im Februar dieses Jahres hat die Staatsanwältin für den angeklagten Muhamed R. eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert. Zudem soll das 31-jährige Mitglied eines polizeibekannten arabischstämmigen Clans zwei Jahre in einer Entziehungsanstalt wegen seiner Drogenabhängigkeit therapiert werden. Die Verteidiger des Angeklagten forderten sechseinhalb Jahre Haft.

Muhamed R. hatte zugegeben, einer der fünf Täter gewesen zu sein, die am 19. Februar einen Geldtransporter vor einer Filiale der Volksbank überfallen und 15 Geldkassen geraubt haben. Darin befanden sich 648.500 Euro. Die Täter trugen bei dem Blitzüberfall, der nur 90 Sekunden dauerte, orangefarbene Arbeitsmontur und sahen wie Müllmänner der Berliner Stadtreinigung aus.

Eine DNA-Spur führt zu dem Angeklagten

Muhamed R., der offenbar der Neffe von Clanchef Issa R. ist, hatte einen der drei Geldtransporteure in den Wagen zurückgestoßen, ihn mit einer Schreckschusswaffe in Schach gehalten, den Mann entwaffnet und ihm Reizgas ins Gesicht gesprüht. Währenddessen warfen seine Mittäter die Geldkassetten in einen großen weißen Sack, den sie im Kofferraum eines mit einem falschen Kennzeichen versehenen Audis verstauten, und rasten anschließend davon. Das Fluchtauto, einen Monat zuvor auf konspirativem Weg gebraucht gekauft, wurde wenig später ausgebrannt auf dem Parkplatz eines Supermarkts entdeckt.

Auf den Angeklagten waren die Ermittler durch Videoaufnahmen von Zeugen und einer DNA-Spur gekommen, die am Pullover des Sicherheitsmannes sichergestellt worden war. Der mehrfach vorbestrafte Muhamed R. hatte schon vor Anklageerhebung ein Geständnis abgelegt.

Angeklagter wurde schon wegen eines Autorennens verurteilt

Erst zwei Wochen vor dem Überfall war der Vater von drei minderjährigen Kindern wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der Beteiligung an einem verbotenen Autorennen zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Da er erst später die Freiheitsstrafe antreten sollte, wurde er aus der sieben Monate dauernden Untersuchungshaft entlassen.

Im Prozess gab er an, dass er mit dem Erlös aus dem Überfall seine hohen Schulden aus seinem Kokainkonsum habe bezahlen wollen. Für sein Geständnis war ihm ein mildes Urteil zwischen sechseinhalb und siebeneinhalb Jahren Haft in Aussicht gestellt worden. Die Namen seiner Mittäter gab Muhamed R. nicht preis. Die Staatsanwältin fordert in ihrem Plädoyer nun auch, bei dem Angeklagten für die Beute einen Wertersatz von 648.500 Euro einzuziehen.

Das Urteil wird am frühen Nachmittag erwartet.