Unter Künstlern würde man sagen: The show must go on. Und so ist es am Sonntagmittag auch im KaDeWe am Tauentzien. Kurz vor 13 Uhr stehen dort die Kunden und Schaulustigen und warten, dass es wieder los geht.

Es ist 4. Advent – der letzte Sonntag vor dem Fest, da müssen noch Geschenke besorgt werden. Und da interessiert es nur noch am Rande, dass das Kaufhaus am Vortag von Räubern überfallen worden ist und in der Schmuck- und Uhrenabteilung Luxusgegenstände im Wert von fast einer Million Euro gestohlen wurden. Bis zum Sonntag waren Ermittler dabei, Videoaufnahmen aus dem Kaufhaus zu sichten. Handyfotos von Zeugen wurden ebenfalls noch ausgewertet.

Inzwischen sind alle Eingänge des KaDeWe wieder offen, alle Nobelfirmen präsentieren ihre Waren. Wer will, kann schon mal 30?300 Euro für eine Rolex-Uhr hinlegen. Einige solcher Uhren hatten die Räuber am Samstag mitgehen lassen. Lücken in den Auslagen gibt es am Sonntag nicht mehr. Vielleicht sind die Wachmänner eine Spur aufmerksamer, aber darüber redet niemand. Auch die Polizei hält sich zurück, jedenfalls was die Uniformierten betrifft. Auch beim Schmuckhändler Christ ist wieder Normalbetrieb.

Dort hatten am Samstagvormittag mitten im Weihnachtsgeschäft vier Männer den spektakulären Überfall verübt. Nach Angaben der Polizei stürmten sie gegen 10.20 Uhr über den Eingang in der Ansbacher Straße in den Verkaufsbereich von Christ und versprühten Reizgas. Sie zerschlugen mehrere Vitrinen und griffen sich Schmuck und Uhren. Dabei sollen auch Uhren der Firma Rolex gewesen sein. Dann nahmen die Täter den gleichen Weg und entkamen mit einem dunklen Audi. Die Kennzeichen waren gestohlen worden. Zeugen berichteten, das Fahrzeug stand mit offenen Türen und laufendem Motor an der Ansbacher Straße und sei über die Kleiststraße in Richtung Urania entschwunden.

Viele Besucher des Kaufhauses, die sich zur Tatzeit im Gebäude befanden, klagten über Augen- und Hautreizungen. Laut Feuerwehr wurden elf Menschen vor Ort vom Rettungsdienst versorgt. Ein Wachmann musste wegen seiner schweren Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden, ihn hatten die Täter direkt hinter der Eingangstür mit Reizgas besprüht. Selbst in der dritten Etage des KaDeWe war das Reizgas zu spüren, berichteten Zeugen.

Polizei und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, alle Eingänge zum Kaufhaus waren bis zum Samstagmittag gesperrt. Nach dem dunklen Fluchtfahrzeug wird inzwischen in ganz Berlin gefahndet. Gerüchte, nach denen auch eine Frau unter den maskierten Tätern gewesen sein soll, bestätigte die Polizei bisher nicht.

Die Täter sollen aber nicht nur Reizgas, sondern auch eine Schusswaffe dabei gehabt haben, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Geschossen wurde allerdings nicht. Von den Tätern fehle jedoch weiter jede Spur, so die Sprecherin. Die Höhe des Schadens ist noch nicht bekannt. Innerhalb der Branche spricht man von einem Millionencoup.

Auch in den anderen Kaufhäusern der Stadt verlief am Sonntag das Weihnachtsgeschäft äußerlich wie gewohnt. Im Kaufhof am Alexanderplatz standen bereits Hunderte und warteten auf die Öffnung des Hauses um 13 Uhr. Ob in dem Einkaufszentrum am Alex eine erhöhte Sicherheitslage galt, war nicht zu erfahren.