Berlin - Der 68 Jahre alte Hans-Peter G. hatte  ein Beratungsgespräch in einer  Filiale der Postbank an der Joachimstaler Straße. Gegen 13.20 Uhr drohte er dem 49-jährigen Angestellten, er habe eine Pistole. Er zeigte die Waffe aber nicht. „Der Täter verhielt sich atypisch für einen Bankräuber“, sagte ein Polizeisprecher. „Er forderte kein Geld, sondern zwei Bier und einen Kontakt zum RBB-Fernsehen.“ 

Der Bankangestellte sagte, dies könne nur sein Filialleiter entscheiden, weshalb er ihn anrufen müsse. Das gestattete der Täter. Der Chef rief die Polizei und sorgte dafür, dass die Angestellten und die Kunden die Filiale verließen.

Nur Hans-Peter G. und der Bankangestellte blieben in einem Beratungszimmer zurück. Die Polizei klassifizierte dies als Geiselnahme. „Trotz der untypischen Forderung des Täters war die Bedrohungslage gegeben, weil der Mann mit dem Einsatz seiner Schusswaffe drohte“, sagte der Polizeisprecher.

Phase I trat nicht in Kraft 

Die Polizei erwog, die sogenannte Phase I auszurufen, die bei Verbrechen wie Geiselnahmen und Entführungen gilt. In dieser Phase werden unter anderem zahlreiche Polizeikräfte neu aufgestellt, die Verhandlergruppe alarmiert und Informationen über den Täter gesammelt. Als nächstes wäre Phase II in Kraft getreten, in der ein „Krisenstab Schwerstverbrechen“ die Arbeit aufgenommen  hätte –  so, wie es am Freitag vor einer Woche der Fall war: In Zehlendorf hatte  ein Mann in einer Filiale der Deutschen Bank einen Angestellten als Geisel genommen. Nach zehn Stunden gab er schließlich auf.

Bei der jüngsten Tat in Charlottenburg forderte die Polizei  das Spezialeinsatzkommando (SEK) an.  Die Polizei sperrte die Joachimstaler Straße für den Verkehr. Auch sämtliche Buslinien der BVG wurden umgeleitet. Mehrere hundert Schaulustige verfolgten das Geschehen an den Absperrungen.

Mit der Feuerwehr ins Krankenhaus

Nachdem sich der Täter eine gute Dreiviertelstunde allein mit seiner Geisel in der Bank aufgehalten hatte, drangen SEK-Beamte  um 14.10 Uhr in die Bank ein und überwältigen ihn. Die Beamten fanden bei ihm tatsächlich eine Waffe - nach Informationen der Berliner Zeitung eine Schreckschusspistole. Bei der Festnahme erlitt der Täter laut Polizei „festnahmebedingte  Verletzungen an Nase und Mund“. Der 68-Jährige wurde von der Feuerwehr ins Krankenhaus St.-Elisabeth-Krankenhaus gebracht.

Zum Motiv seiner Tat ist bislang nichts bekannt geworden. Wegen seiner seltsamen Forderung soll  Hans-Peter G.  auch durch einen Psychiater auf seinen geistigen Zustand untersucht werden.  Ein Bereitschaftsrichter soll am Freitag darüber entscheiden, ob der Täter in U-Haft oder in eine Klinik kommt.