Spremberg - Klaus-Peter Schulze hat eine Mission. Er ist Bürgermeister von Spremberg (Spree-Neiße) und möchte seine Stadt wieder in die „Perle der Lausitz“ verwandeln, als die sie einst bekannt war. Doch die Aufmerksamkeit für Spremberg in den vergangenen Wochen kann Schulze nicht gefallen. Denn die Kamerateams und Reporter sind nicht gekommen, um die sanierte Altstadt zu betrachten. Sie kommen, weil in Spremberg Rechtsradikale Jagd auf Andersdenkende machen.

Am 30. April beschmierten Rechte die Redaktion der Lausitzer Rundschau. „Lügenpresse halt die Fresse!“ stand am Eingang geschrieben. Der Grund für den Angriff: Ein Redakteur der Zeitung hatte einen Artikel verfasst, in dem es um eine illegale Versammlung der rechten Szene sowie die mögliche Verbindung zu einer Rocker-Clique ging. Einen Tag später hingen Tierinnereien am Gebäude. Seit diesem Tag steht der verantwortliche Redakteur nicht nur beruflich mit der Polizei in Verbindung, sondern auch privat. „Vielleicht galten die Angriffe auch mir persönlich“, sagt er.

Mit Baseballschlägern

Am vergangenen Wochenende überfielen sechs oder sieben Unbekannte fünf junge Menschen vor dem linken Jugendclub „Erebos“. Mit Baseballschlägern schlugen die Angreifer auf das Auto ein, in dem die Opfer saßen. Einer der Insassen erlitt einen doppelten Fingerbruch, die anderen kamen mit Schnittwunden und Prellungen davon. Der Staatsschutz untersucht den Fall – mit jenen acht Ermittlern, die auch mit dem Angriff auf die Lausitzer Rundschau befasst sind. Eine Sprecherin sagt, die Brutalität des Angriffs deute auf einen rechtsradikalen Hintergrund hin.

Die Angriffe lassen Politiker aufhorchen. „In Spremberg muss sich jeder Einwohner und jeder Gast zu jeder Zeit und an jedem Ort sicher fühlen können, unabhängig seiner Herkunft, seines Geschlechts, seines Aussehens und seines Alters“, fordert Bürgermeister Schulze in einem Positionspapier. Schon nach der Attacke gegen die Lausitzer Rundschau hatte sich die Stadtverordnetenversammlung in einer fraktionsübergreifenden Erklärung gegen rechte Gewalt gewandt. Auf der Sitzung war auch ein Mitarbeiter des Staatsschutzes anwesend. Er sagte: „Wir haben Spremberg als Schwerpunkt für die aktuelle Situation erkannt.“