Auto fahren kann stressig sein. Zug fahren auch, meint Hans Leister vom Fahrgastverband Pro Bahn. „Die Regionalzüge von und nach Berlin sind zu den Spitzenzeiten auf den attraktiven Linien überfüllt, die Zahl der Pendler nimmt von Jahr zu Jahr zu“, sagte er.

Nun sind Verbesserungen in Sicht – langfristig. „Wir bereiten jetzt künftige Ausschreibungen im Regionalverkehr vor. Wir wollen mehr Kapazität und mehr Flexibilität im Betrieb. Auch Taktverdichtungen, also häufigere Zugfahrten, wird es geben“, sagte Susanne Henckel, Chefin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), der Berliner Zeitung.

Sie kennt die Situation, sie ist ebenfalls oft per Bahn unterwegs. Am vorletzten Wochenende nutzte Henckel den Regionalexpress RE 7. „Der startete schon in Dessau voll, unterwegs wurde er noch voller. Da habe ich zum ersten Mal erlebt, dass Fahrräder gestapelt wurden“, erzählte sie.

Das Wachstum bringt auch Probleme mit sich

Berlin und Brandenburg seien eine mobile Gesellschaft. Und sie wird immer mobiler: 2001 wurden die Regionalzüge für 42,6 Millionen Fahrten genutzt, 2015 waren es 77,4 Millionen. 2016 stieg die Fahrgastzahl weiter – um 5,2 Prozent. Henckel: „Ich sage selbstbewusst: Ein solches Wachstum sucht in Deutschland seinesgleichen.“

„Wenn die Züge und Busse leer wären – das wäre doch dramatisch: Die Straßen wären verstopfter, die Luft wäre schlechter, der Stress höher“, meinte sie. Doch das Wachstum bringe auch Probleme mit sich. „Uns stellt es vor komplexe Herausforderungen bei der Planung. In der Tat: Mehr Fahrgäste brauchen mehr Angebote! Da sind wir dran.“

Es sind mehr Doppelstockwagen geplant

Allerdings: Für kurzfristige wesentliche Verbesserungen bestehe „kaum Spielraum“, sagte Hans Leister. „Wir sind in einer schwierigen Situation: mitten in der Laufzeit eines Verkehrsvertrages“, erklärte Henckel. „Es ist nicht einfach, zwischendurch etwas zu ändern.“

Zudem gebe es derzeit Fahrzeugengpässe. Einfach die Züge zu verlängern wäre schwierig: „Die Fahrzeuge sind weit und breit nicht da.“ In einigen Fällen fehlten sogar Züge, die längst zur Verfügung stehen müssten. So warte die Niederbarnimer Eisenbahn auf weitere Triebwagen vom Typ Pesa Link, die zwischen Berlin und Kostrzyn (Küstrin) mehr Kapazität schaffen würden.

Sie sollen nun spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember zum Einsatz kommen. Henckel: „Wir warten auch mit den betroffenen Fahrgästen darauf, dass DB Regio endlich von Bombardier alle versprochenen Twindexx-Züge für die Linien RE 3 und RE 5 bekommt“ – stark genutzte Linien an die Ostsee. „Die Verzögerung ist ein Grund dafür, dass wir mit DB Regio derzeit über eine Pönale sprechen – eine Vertragsstrafe.“

Größere Verbesserungen werden aber erst in der Zukunft möglich sein

Auch auf den Linien RE 2 (Cottbus– Wismar) und RE4 (Rathenow-Ludwigsfelde) leiden Pendler. Die Triebzüge der Ostdeutschen Eisenbahn könnten aber nicht ohne weiteres verlängert werden, bestätigte Henckel. „Der fünfte Wagen würde eine Neuzulassung des gesamten Zuges beim Eisenbahn-Bundesamt erfordern. Und die ist nicht sicher.“

Zu viel Pessimismus will die VBB-Chefin nicht aufkommen lassen. „Wir überlegen und prüfen mit den Verkehrsunternehmen, ob es im Einzelfall möglich ist, die Kapazität anzupassen.“ So sei es kurzfristig gelungen, auf der RE 7 einen Triebzug durch einen Doppelstockzug zu ersetzen. „Dadurch stehen im Berufsverkehr 160 Sitzplätze zusätzlich zur Verfügung“, berichtete sie.

Größere Verbesserungen werden aber erst in der Zukunft möglich sein. Ende dieses Jahres will der VBB das Netz Elbe-Spree ausschreiben, die Verträge werden von Ende 2022 an gelten. Für rund 15 zum Teil stark genutzte Linien werden Betreiber gesucht. Dazu zählen nach bisherigen Planungen die RE 2 und RE 4, aber auch die RE 1 zwischen Frankfurt (Oder), Berlin und Magdeburg, sowie die RE 7 zwischen Dessau und Senftenberg. Regionalbahnstrecken stehen ebenfalls auf der Liste.

Pro Bahn forderte eine transparente Planung

„Das wird ein sehr interessantes Verfahren, weil wir auf einigen Linien in der Tat die Kapazität ausweiten wollen. Das wäre unter anderem auch dadurch möglich, dass auf diesen Strecken der Verkehr auf Doppelstocktriebzüge umgestellt wird“, so Henckel. Sie erwarte Bewerbungen mit interessanten neuen Fahrzeugkonzepten – „und dass wir den Fahrgästen mehr Komfort, mehr Sitzplätze und insgesamt mehr Leistungen anbieten können“.

Pro Bahn forderte eine transparente Planung – „nicht ohne Einbeziehung der Bürger und des Parlaments“. Wird es genug Geld geben – in Form von Regionalisierungsmitteln des Bundes? „Ich bin optimistisch, dass wir eine Basis finden, den Betrieb finanzieren zu können“, sagte die VBB-Chefin. Allerdings: Die Infrastruktur müsse ausgebaut werden.

 Die Verbindung Berlin–Stettin soll zweigleisig ausgebaut werden

„Da drückt uns der Schuh. Deshalb starten wir unser Projekt i2030. Mit den Ländern und der Deutschen Bahn werden wir uns darüber verständigen, wo Engpässe beseitigt und auch wo neue Strecken gebaut werden müssen.“ Auf der Prüfliste stünden unter anderem der Wiederaufbau der Stammbahn oder S-Bahn-Verbindungen nach Falkensee und Rangsdorf. Der Engpass im Bahnhof Königs Wusterhausen müsse verschwinden, Berlin–Stettin zweigleisig ausgebaut werden.

„Wir müssen jetzt ’ran an das Thema, denn Planungen dauern sehr lange, Umsetzungen auch. Im Juni wollen wir mit der Bahn einen Vertrag unterzeichnen, dann wird das Thema im VBB-Aufsichtsrat beraten“, so Henckel. Die Planungen für die Zukunft haben begonnen.