Berlin - Sie sind und bleiben ein Aufreger: Poller, Pflanzenkübel oder Betonklötze, die Innenstadt-Plätze zu sogenannten Kiezblocks machen, zu autofreien Zonen. Oft werden damit schnell Fakten geschaffen. Umso besser also, wenn es vorher Debatten gibt zwischen Gegnern und Befürwortern der Verkehrsblocker. Das Internet kann dabei helfen, große Themen wie die Verkehrswende auch auf Kiez-Ebene zu besprechen.

Dabei helfen Beteiligungs-Portale wie Mein.Berlin.de. Schlecht ist es allerdings, wenn der Diskurs dort in Hass und Häme abgleitet wie aktuell beim Thema Verkehrsberuhigung am Lausitzer Platz. In den entsprechenden Foren werfen User anonym mit üblen, menschenfeindlichen Äußerungen um sich, statt konstruktiv über das Für und Wider zu diskutieren. Der Nachteil der Web-Demokratie ist, dass oft destruktive Trolle mit ihrem Schreien inhaltliche Argumente übertönen. Dabei gibt es im Kreuzberger Kiez ernst zu nehmende Sorgen der Anwohnerschaft.

In diesem konkreten Fall ist der Bezirk nicht ganz unschuldig: Er hat erst Fakten geschaffen und fragt jetzt die Bürger. Und zwar nicht danach, ob die Fußgängerzone kommen soll, nur danach, wie sie aussehen soll. Da haben manche dann das Gefühl, übergangen worden zu sein. Ein Feedback-Kanal darf nicht erst dann angeboten werden, wenn alles bereits entschieden ist. Sonst ist absehbar, dass die Leute nur Frust abladen.

Für eine moderne Demokratie, im Bezirk wie im Web, braucht es mündige Bürger, die ihren Ton mäßigen und am besten mit ihrem richtigen Namen zu ihrer Meinung stehen. Manche Themen sind zu wichtig, um sie Trollen zu überlassen. Und im Web wie in der Nachbarschaft gilt: Seid nett zueinander, auch und gerade dann, wenn man nicht einer Meinung ist.