Berlin - Es kam leider wie erwartet: Nach der Freigabe des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca für alle über 60 Jahre alten Berlinerinnen und Berliner war die Hotline 9028-2200 am Donnerstag offenbar erst gestört und dann vollkommen überlastet.

Die Senatsverwaltung für Gesundheit hatte am Mittwoch angekündigt, Astrazeneca stehe ab sofort dieser Altersgruppe zur Verfügung, auch wenn sie bisher noch keine Einladung erhalten habe. Die gab es bislang nur, wenn man zum Beispiel wegen einer chronischen Krankheiten priorisiert geimpft werden sollte. Nun kamen 300.000 Menschen hinzu, die sich einen Termin geben lassen konnten. Wer aber am Donnerstag die Nummer wählte, durfte sich erst eine lange, widersprüchliche Bandansage anhören. Dann musste man auf die „1“ drücken, um einen Astrazeneca-Termin zu buchen.

Anschließend gab die Bandstimme erstmal Datenschutz-Hinweise sowie die am Mittwoch bei Verkündung des neuen Angebots ausdrücklich ausgeschlossene Information, dass man sich den Termin auch online beschaffen könnte. Nach insgesamt 2 Minuten und 15 Sekunden schließlich folgte die Mitteilung, dass alle Leitungen belegt seien, und man es doch bitte noch einmal versuchen sollte. Für zehn Versuche brauchte man also fast eine halbe Stunde, ohne einen Termin zu bekommen.

Die Pressestelle der Senatsgesundheitsverwaltung von Dilek Kalayci (SPD) teilte am Mittag per Rundmail mit:  „Bei einer solch hohen Nachfrage an AZ-Impfungen kann es leider zu Verzögerungen und Wartezeiten kommen. Die Senatsverwaltung (…) bittet alle an einem Impftermin Interessierten um Geduld. Es sind nach wie vor genug Termine für die Impfung über 60-Jähriger in den Impfzentren verfügbar.“ Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bat um Geduld. „Es gibt Probleme. Aber das liegt nun auch in der Natur der Sache“, sagte er. Wenn Zigtausende anriefen und das Einladungssystem geändert werden müsse, könne es auch mal Warteschleifen geben.

Tim-Christopher Zeelen, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus,  erklärte zu der morgendlichen Störung: „Das neue Senatschaos erinnert an einen Aprilscherz. Berliner über 60 Jahre bekommen entgegen der Ankündigungen heute keine Termine bei der Impf-Hotline. Sie werden damit vertröstet, dass hierfür erst das Buchungsprogramm angepasst werden müsse. Einmal mehr leistet sich SPD-Gesundheitssenatorin Kalayci einen schlimmen handwerklichen Fehler und verspielt damit Vertrauen. Wir erwarten, dass jetzt Tempo gemacht und die Panne schnellstmöglich behoben wird.“

Wer dann später bei der Hotline durchkam – bei Twitter meldeten sich einige Glückliche – kann sich jetzt von Karfreitag bis zum 6. April im Impfzentrum im früheren Terminal C des  Flughafengebäudes Tegel immunisieren lassen, bis zum 11. April im Hangar 4 des Flughafengebäudes Tempelhof.

Die Auflösung der Impfreihenfolge in Berlin war erfolgt, weil in Deutschland in der Regel keine Astrazeneca-Impfungen mehr an Menschen unter 60 Jahren verabreicht werden sollen. Es hatte vorwiegend bei Frauen dieses Alters wenige Dutzend schwere Nebenwirkungen gegeben, von denen nach letztem Stand bundesweit neun Patienten starben.