Berlin - Für eine Überraschung haben die Schüler des doppelten Abiturjahrgangs in diesem Jahr in Berlin gesorgt. Die jüngeren Gymnasiasten, die die Prüfung bereits nach 12 Schuljahren ablegten, schnitten nämlich sogar leicht besser ab als die Schüler des älteren Jahrgangs, die 13 Jahre die Schule besucht haben. Die Durchschnittsnote der Turboabiturienten liegt nach Berechnungen der Schulverwaltung bei 2,37, während die Durchschnittsnote des 13. Jahrgangs bei 2,42 liegt.

Einmalig legten in diesem Schuljahr zwei Jahrgänge zugleich das Abitur ab, da die Gymnasialschulzeit auf 12 Jahre verkürzt worden war. Nur an den Sekundarschulen können Schüler künftig das Abitur nach 13 Jahren ablegen. Eltern und Lehrer waren zunächst besorgt, ob die Jüngeren im Doppeljahrgang mit dem älteren mithalten könnten. Denn schließlich mussten die jüngeren Abiturienten durch den Wegfall der Jahrgangsstufe 11 innerhalb kürzerer Zeit das Gleiche lernen und hatten kein Orientierungsjahr mehr. Allerdings traten bereits nach dem ersten prüfungsrelevanten Oberstufen-Halbjahr in Berlin dreimal so viele angehende Abiturienten freiwillig zurück als im Schuljahr davor. Das trübt die Statistik.

Vor allem Turboabiturienten wollten in einem erneuten Anlauf einen besseren Notenschnitt erreichen. „Der doppelte Abiturjahrgang hat von allen Beteiligten große Anstrengungen und großes Engagement gefordert“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Durchschnittsnote 2,4

Insgesamt lag die Abi-Durchschnittsnote der 17 313 Abiturienten, die die Prüfungen in diesem Jahr bestanden haben, wie in den beiden Vorjahren bei 2,4. Nun drängen also besonders viele Abiturienten auf die Studien- und Ausbildungsplätze in Berlin. Im vergangenen Jahr legten lediglich 12 018 Schüler in Berlin die Reifeprüfung ab. Da die beiden diesjährigen Abitur-Jahrgänge nicht besonders geburtenstark waren und viele freiwillig zurücktraten, kann man also nur eingeschränkt von einem doppelten Abiturjahrgang sprechen.

Günter Peiritsch, der Vorsitzende des Landeselternausschusses, will dennoch, dass Gymnasien frei wählen, ob sie das Abitur auch wieder nach 13 Schuljahren anbieten. Schulleiter berichten, dass es manchem jüngeren Schüler noch an persönlicher Reife mangele. So könne man bestimmte Themen wie etwa Goethes „Werther“ mit Schülern, die das Gefühl der ersten, stürmischen Liebe noch nicht kennengelernt haben, nicht wie üblich besprechen. Bis auf Rheinland-Pfalz führten auf Beschluss der Länderfinanzminister alle deutschen Bundesländer das Abitur nach 12 Schuljahren ein.