Die Wut lässt sich nicht zerstreuen, so sehr es Manfred Mocker auch versucht: Mocker, Mitglied des Bürgerkomitee Plänterwald, steht hinter einem Tisch, neben ihm sitzen Abgeordnete des Senats und Vertreter des Mietervereins, vor ihm auf den Stühlen 80, 90 Menschen, Männer, Frauen, vor allem ältere. „Wir schlagen mal Seite zwölf im Mietspiegel auf“, sagt er, „dort kann jeder nachschauen, wie seine Wohnung in der Tabelle einzuordnen ist.“

Aber die Leute, die sich am Montagabend in der Aula der Sophie-Brahe-Schule versammelt haben, sind nicht in Stimmung für bürokratische Details; eine Rentnerin in der letzten Reihe schreit: „Das Problem ist, dass der Mietspiegel alle zwei Jahre steigt – wenn die Vermieter das sehen, erhöhen die sofort die Miete.“ Weiter vorne ruft einer: „Der Mietspiegel muss weg! Da können die Politiker doch Gesetze machen, warum machen Sie das nicht?“ Mockern hebt seine Schultern, sagt: „So funktioniert das nicht in Deutschland.“

Vor allem Mieter der Deutsche Wohnen informieren sich

Der Berliner Mieterverwein Treptow/Köpenick und das Bürgerkomittee Plänterwald wollten die Anwohner an dem Abend darüber informieren, wie sie sich juristisch gegen ungerechtfertigte Mieterhöhungen wehren können. Im Hinblick auf die Bundestagswahl sollte es auch darum gehen, wie sich die Parteien zum Thema Mietrecht positionieren. Der Saal war zunächst voll besetzt, gekommen waren vor allem Mieter der Deutsche Wohnen, der Immobilienkonzern hat die alten Eisenbahnersiedlungen am Baumschulenweg gekauft und saniert – und zum Teil drastische Mieterhöhungen angekündigt.

„Es ist erste Bürgerpflicht, sich zu vernetzen“, sagte Katalin Gennburg, Abgeordnete der Linken und Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Städtebau- und Wohnungsbau, „hängen Sie Plakate auf, machen Sie eine Demo - nichts fürchten Vermieter, die abzocken wollen, so wie schlechte Presse.“

Mieterhöhungen müssten zudem nicht hingenommen werden; in vielen Fällen sei es möglich, überhöhte Forderungen vor Gericht abzuwehren. Deshalb sei es auch so wichtig, dass Hartz-IV-Empfänger künftig Anspruch auf kostenlosen Mietrechtsschutz haben, wie es im Koalitionsvertrag vorgesehen ist.

Schutz für das Milieu und Mieter von Sozialwohnungen

Harald Moritz, Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Grüne, wies darauf hin, dass die Berliner Abgeordneten in dieser Woche ein Gesetz beschließen, das Mieter von Sozialwohnungen vor Mieterhöhungen schützen soll, zudem müssten der Milieuschutz ausgebaut und die Bezirke bei der Ausübung ihres Vorkaufsrechts gestützt werden.

„Wir als Berliner Koalition sind dabei, das zu machen, was machbar ist“, sagte Lars Düsterhof (SPD), doch über das Mietrecht werde auf Bundesebene entschieden, die SPD sei für die Fehlentwicklungen also nicht verantwortlich, da die CDU eine wirksamere Mietbremse blockiere - eine Antwort darauf gab es nicht, da von der CDU niemand eingeladen war.

Doch nicht alle gaben sich mit den Worten der Politiker zufrieden: „Warum hat nicht jeder ein Recht auf bezahlbaren Wohnraum?“, rief eine Frau mit zitternder Stimme, „Sie wollen doch alle gewählt werden. Ich wähle nur den, der sich für mich einsetzt - in meiner Wohnung.“

Am Ende stellte sich Mockern noch einmal vors Publikum: „Ich weiß, dass diese Veranstaltung absolut unbefriedigend für Sie war“, sagt er. „Aber das ist, was wir als Mieter können: Uns austauschen, statt nur zu Hause zu schimpfen.“ Aber der Saal ist schon halb leer; viele Zuhörer sind längst gegangen.