Über ein Jahrhundert lang prägten sie das Bild des Köpenicker Ortsteils Grünau: das Gesellschaftshaus und die Riviera, zwei legendäre Ausflugslokale am Ufer der Dahme. Mehrere Generationen feierten dort, im eleganten Ballsaal des Gesellschaftshauses oder im von Palmen gesäumten Biergarten der Riviera. Seit gut 20 Jahren kehrt dort allerdings niemand mehr ein, die beiden Gebäude, die zu Teilen unter Denkmalschutz stehen, verfallen.

Auch die neue Eigentümerin, eine türkische Geschäftsfrau, die das Gelände an der Regattastraße im Jahr 2006 kaufte, tat bislang nichts, um diesen Prozess aufzuhalten. Im Grünau ist man besorgt. Vor allem darüber, dass das Areal am Wasser künftig nicht mehr öffentlich zugänglich sein könnte.

Ende des Kapitels Ausflugsgastronomie droht

Denn die Eigentümerin, die dort zunächst ein Kongresshotel mit Ausflugsrestaurant plante, hat jetzt im Bezirksamt den Bau von Wohnungen beantragt. "Das würde bedeuten, dass dieser historisch geprägte Ort nicht mehr von Ausflüglern genutzt werden kann", heißt es beim Ortsverein Grünau. Ruheschutz von Bewohnern wird stets höher bewertet als andere Nutzungen. Deshalb könnte das Kapitel Ausflugsgastronomie dort für immer beendet sein, wird befürchtet.

Laut Bezirksamt Treptow-Köpenick hatte sich für das geplante Hotel kein Nutzer gefunden, deshalb versuche die Eigentümer jetzt, das Gelände anders zu verwerten. Der erste Antrag auf Wohnungsbau sei aber vom Amt als "zu überdimensioniert" abgelehnt worden.

Seither sei der Kontakt abgerissen. Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) stellte allerdings klar: "Wir können laut Baugesetzbuch einem Eigentümer keine spezielle Nutzung vorschreiben oder verbieten." Sein Amt sei derzeit intensiv um Gespräche mit der Grundstückseigentümerin bemüht. Ziel sei die Sicherung der Gebäudereste vor Vandalismus sowie der Erhalt aller denkmalgeschützten Gebäudeteile.