Nicht nur im Regierungsviertel soll das Spreeufer durchgängig und öffentlich zugänglich sein, sondern auch im Bereich der Stadtspree rings um Jannowitzbrücke und Schillingbrücke. Dass sich dort die meisten Grundstücke im Privatbesitz befinden, muss kein Hindernis sein: Die Genossenschaft Holzmarkt und das Radialsystem, die beide über eine Uferpromenade verfügen, haben sich jetzt mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) geeinigt, dass sie von den BWB einen sieben Meter breiten Uferstreifen kaufen. So könnte die Lücke in der Promenade zwischen Holzmarkt und Radialsystem schnell geschlossen werden. Auf dem Uferweg liegen schon Holzplanken.

Angesichts von Milliardeninvestitionen an der Spree in Mitte und in Friedrichshain-Kreuzberg ist die Promenade zwar nur ein winziger Baustein. Zugleich ist sie aber ein Beispiel dafür, wie Politiker, Eigentümer, Clubbetreiber, Investoren und Anrainer künftig miteinander umgehen und kooperieren wollen.

Statt auf Konfrontation wie noch vor fünf Jahren setzen sie – trotz aller Differenzen – auf Gespräche und Konfliktlösungen. Gut ein halbes Jahr haben sie im Forum Stadtspree miteinander geredet. „Wir sind uns einig: Das Gebiet hat eine besondere Bedeutung. Investitionen müssen möglich sein, Wohnungsbau muss möglich sein, zugleich muss der Clubcharakter erhalten bleiben und das Gebiet öffentlich erlebbar sein“, sagt Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD).

Alle Beteiligten hätten in dieser Zeit eine Art „Trainingscamp für die Wirklichkeit“ absolviert, die Verabredungen müssten nun Bestand im Alltag haben, formuliert es Volker Hassemer, Vorstand der Stiftung Zukunft Berlin. Das ist alles noch sehr theoretisch. Mit Verabredungen meint Hassemer Leitideen. Etwa die, dass die Spree für alle da ist und für alle zugänglich sein muss. Zugleich müssten aber auch die Eigentümer die Möglichkeit haben, ihre Grundstücke optimal zu nutzen, sie müssten ökologische Standards einhalten.

Konflikte zwischen Clubs und Bewohnern

Dass es zwischen den etablierten Clubs und Strandbars und den künftigen Bewohnern nicht ohne Konflikte gehen wird, ist Hans Panhoff (Grüne), dem Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, bewusst. Um sie zu lösen, wagt er sich auf unsicheres Terrain: „Lärm muss in einer Stadtgesellschaft neu verhandelt werden. Um 22 Uhr die Bürgersteige hochzuklappen, ist für eine Großstadt nicht angemessen.“

Über Klauseln in Miet- und Kaufverträgen soll ein „friedliches Nebeneinander zwischen öffentlichen Clubs und privatem Wohnen gesichert werden“, so Panhoff. Während er sich in künftigen Arbeitsgruppen um die Lärmproblematik kümmert, wird der Bezirk Mitte für die Uferwege verantwortlich sein.

Die Aktivisten der Initiative „Mediaspree versenken“ kritisieren, dass der Bürgerentscheid vom Sommer 2008 keine Rolle mehr spiele und der Bürgerwille missachtet werde. Damals hatten sich 87 Prozent der Wahlberechtigten, die ihre Stimme abgaben, gegen eine „Zubetonierung des Spreeufers“ ausgesprochen und einen 50 Meter breiten Uferstreifen gefordert. Müller wies die Vorwürfe zurück. Durch den Bürgerentscheid sei die Stadt sensibler geworden. Realistisch ist aber nur ein etwa zehn Meter breiter Uferstreifen.

Ob das Thema Lärm gelöst werden kann, weiß Sascha Disselkamp vom Sage Club nicht. „Es gibt keine rechtlichen Möglichkeiten. Die Clubs gehören ebenfalls zum Tafelsilber Berlins.“ Wenn nur seelenlose Hotels entstehen, werde das Gebiet an Attraktivität verlieren wie jetzt schon an der East Side Gallery.

Hinter der Mauer entsteht ein Wohnturm von Investor Maik Uwe Hinkel. Für das Projekt Living Levels ließ er im Frühjahr Mauerteile entfernen, die Folge waren Demos und Bürgerproteste. An wie vielen Stellen es Mauerdurchbrüche gibt und wie hoch ein benachbartes Hotel gebaut werden darf, entscheidet jetzt Müllers Behörde. „Wir prüfen mehrere Varianten“, sagt er.