Es ist eine Situation, die uns alle überfordert. Jeden Tag kommen in Berlin rund Zehntausend Menschen aus der Ukraine an, und niemand weiß, wie lange dies so sein wird. In den ersten Tagen nach Kriegsausbruch und dem Einsetzen der Fluchtbewegung lief es vielerorts teils chaotisch. Aber auch nicht allzu chaotisch.

Bei aller Kritik über echte oder vermeintlich schlechte Organisation bleibt festzustellen, dass der Senat und die vielen Hilfsorganisationen aus der Flüchtlingswelle 2015 gelernt haben und professionell arbeiten. Viele „Veteranen“ sind als ehrenamtliche Helfer dabei – ob von den Maltesern, dem DRK, den Johannitern, der Berliner Stadtmission, von Vereinen und Bürgerinitiativen.

Inzwischen sind auch verschiedene Mängel behoben, die anfangs beklagt wurden. Etwa der, dass keine Ärzte vor Ort waren. Am Hauptbahnhof wird die Situation inzwischen „entzerrt“, und die Helfer haben eine gewisse Routine gekommen. Selbst das neue Ankunftszelt dort, das einige zunächst für zu klein hielten, scheint groß genug, und jeder weiß hier, was zu tun ist. Die Hilfsbereitschaft ist auch an Tag 15 nach der Invasion Russlands in der Ukraine beeindruckend.

Es bleiben dennoch beklemmende Gefühle. Da sind die blassen und müden Kinder im Hauptbahnhof und am Zentralen Omnibusbahnhof. Dass die Umstände sie belasten, merken die Helfer daran, dass Kinder über Bauchweh klagen, das Essen nicht bei sich behalten, dass sie in sich gekehrt sind und manchmal zittern. Da sind Mütter, denen inzwischen jede Kraft fehlt, und man sich fragt, wie sie das Ganze durchgestanden haben. Da ist die bange Frage, wo das alles noch hinführt. Und schließlich die Ungewissheit, wie lange die Herzlichkeit der Menschen anhält, die Flüchtlinge bei sich zu Hause aufnehmen und die Wohnungen und Hotelzimmer mietfrei zur Verfügung stellen.