Erneut ist es zu einem Streit zwischen Freiwilligen für Geflüchtete aus der Ukraine und den Berliner Behörden gekommen. Dieses Mal geht es wieder um den ZOB und eine Entscheidung der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales über die dort bestehenden Einrichtungen zur Unterstützung der Geflüchteten. Vor zwei Wochen wurde die Zahl der Zelte von fünf auf zwei reduziert. Diese dienten vielen Geflüchteten als Schlafplätze sowie als Lagerort für Spenden und Essen. Derzeit stehen außerdem noch zehn Container am ZOB-Gelände. Von diesen sollen jedoch fünf abgebaut werden. Das berichten Freiwillige vor Ort gegenüber der Berliner Zeitung. Diese Entscheidung der Berliner Sozialverwaltung sei nicht verhandelbar, hieß es.

Grund dafür sollen nicht fehlende Finanzen sein, sondern die „Außenwirkung“. Das hieße, so eine ehrenamtliche Helferin, dass rund 200 Menschen pro Tag am ZOB ankommen, aber es solle nicht danach aussehen. Auch ein Angebot von einem externen Zeltanbauer, ein weiteres Zelt kostenlos anzubieten, war von der Verwaltung abgelehnt worden. Die Angebote werden auch von Menschen genutzt, die sich auf die Heimreise in die Ukraine vorbereiten. Es kehren täglich eine wachsende Anzahl Menschen mit dem Bus in die Ukraine zurück.

Über die Entscheidung habe eine Mitarbeiterin der Sozialverwaltung am Mittwoch persönlich informiert. Die Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennen wollte, nennt die Situation eine „absolute Katastrophe“ und sieht in der Entscheidung „reine Politik“, die aber an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort vorbeigehe. Bis Dienstag nächster Woche, dem 31. Mai, sollten die Freiwilligen das Zelt abbauen, hieß es.

„Es hieß, unsere ganze Infrastruktur hier werde nicht mehr benötigt“, so die Helferin.  Es sollte kein Essen mehr ausgegeben werden. Ihr und ihrem Team sei gesagt worden, es sollte für die Geflüchteten reichen, wenn sie „ein paar Päckchen Nüsse“ bekommen. Finanziert werden sollen diese Nüsse aus Spenden, so wie auch das vorher tägliche Angebot von 300 Sandwiches, heißt es. Die Freiwilligen sollen versucht haben, mit der Verwaltungsmitarbeiterin einen Mittelweg zu finden – dafür gebe es aber „kein Verhandlungsspielraum“, soll die Antwort gewesen. Viele seien deprimiert, auch die Freiwilligen seien „völlig am Ende“, sagt die Helferin. „Wir wissen jetzt gar nicht mehr, was wir machen sollten. Wir haben kein Kraft mehr zum Kämpfen.“

Sozialverwaltung: Bestehende Struktur „nicht zu rechtfertigen“

Auf Anfrage der Berliner Zeitung erklärte Stefan Strauß, Sprecher der Sozialverwaltung, die Entscheidung über den Abbau sei mit den Maltesern zusammen getroffen worden. Er spricht von anderen Ankunftszahlen als die Freiwilligen: Ihm zufolge kommen zwischen 40 und 100 Menschen am Tag an: „Aus diesem Grund ist es nicht zu rechtfertigen, die bestehende Struktur in der bisherigen Form aufrechtzuerhalten.“ Es soll aber weiterhin Lebensmittel verteilt werden – welche genau, sagte er nicht.

Die fünf bleibenden Container sollen weiterhin von Sanitätern sowie der Leitung der Geflüchtetenhilfe vor Ort benutzt werden. Derzeit werden aber mehrere andere Container zur Lagerung von Produkten wie Essen, Babynahrung und Hygieneprodukten benutzt. Gleichzeitig will das Team ein Zelt benutzen, um weiterhin Schlafplätze für die Geflüchteten anzubieten. Letzte Nacht haben sechs Menschen (zwei Erwachsene und vier Kinder) im Schlafzelt am ZOB übernachtet. Wenn das Zelt fehlt, müssten diese nach Tegel.