Die Jazzmusikerin, Sängerin und Schauspielerin Pascal von Wroblewsky im Biergarten des Frannz Club in der Kulturbrauerei.
Foto: Christian Schulz

BerlinKann sich noch jemand an den Clownslehrling Pascalino erinnern? Der hatte 1978 im Franz-Club, der sich damals noch mit nur einem n schrieb, einen großen Auftritt bei den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung das Clubs nach einem Umbau. Bevor die Clownerie sich zum Beruf auswachsen konnte, bog Pascal von Wroblewsky in Richtung Musik ab und wurde bald eine bedeutende Jazzsängerin. Mit Umwegen über die Folk- und die Dixielandmusik. Bei einer Session unter erwachsenen Kollegen übersah die Teenagerin absichtlich und voller Selbstvertrauen, dass eigentlich nur einander bekannte Musiker miteinander musizierten. Sie erklomm die Bühne und begann mit ihrer Stimme und zur wachsenden Freude der Musiker zu improvisieren. „Danach kam Horst Würzebesser vom Jazz-Collegium Berlin zu mir und fragte, ob ich nicht mit ihnen spielen will. Er wurde einer meiner Jazz-Papis.“ Für sie war das damals „eine großartige Schule“. Auch der Auftritt beim Dixilandfestival in Dresden, bei dem sie als Schwangerschaftsvertretung der Sängerin der Sonneberger Jazz-Optimisten eingesprungen war.

In den 42 Jahren seit ihrem ersten Auftritt im Franz-Club trat Pascal von Wroblewsky immer mal wieder dort auf. Auch nach der Neugründung als Frannz im Jahr 2004: „Allerdings nicht gleich am Anfang, denn damals gab es dort zunächst keinen Jazz, weil die Betreiber sich davon wohl kein ausreichendes Publikumsinteresse versprachen.“

Das hat sich inzwischen geändert. Am 12. September gibt es um 20 Uhr ein live gesungenes Mixtape der 70er-Jahre im Biergarten vom Frannz. Mit Pascal von Wroblewsky am Mikrofon und den Musikern Jürgen Heckel, Peter Michailow und Max Hughes an den Instrumenten. Heckel war der Gründer der Fusionband Bajazzo, zu der die Sängerin mal gehörte. Wenn sie heute gemeinsam ihr „Seventies Songbook“ auf die Bühne bringen, dann gibt es verjazzte Versionen von Hits der 70er-Jahre wie „Smoke on the water“ (Deep Purple), „Black dog“ (Led Zeppelin) und „Riders on the storm“ (The Doors). Die Sängerin liebt es, wie das Publikum darauf reagiert: „Im Gegensatz zu Jazz-Standards der 30er- und 40er-Jahre kann bei diesen Liedern nämlich fast jeder mitsingen.“

Die Frage, wie Zuhörer, die ihr im Hochgefühl des Moments ein Getränk spendieren möchten, ihren Geschmack treffen können, erwischt die Sängerin unvorbereitet: „Das ist eigentlich unüblich …“ Sie lässt sich dann aber doch noch zu einer Aussage hinreißen: „Gern zucker- und alkoholfrei. Und bitte keine Cocktails, die konnte ich noch nie leiden.“

Die Antwort auf die Frage, welchen Einfluss Corona auf den Inhalt des Programms haben wird, muss sie nicht lange suchen: „Keinen. Ich glaube, die Leute sind ganz froh, wenn das mal einen Abend lang inhaltlich keine Rolle spielt. Corona lassen wir draußen.“ Obwohl das Thema schon deshalb über dem Abend schwebt, weil Auftritte gerade noch etwas sehr Besonderes sind. „Ich freue mich, dass jetzt wieder Konzerte stattfinden. Wir werden endlich wieder spielen.“ Der Biergarten vom Frannz ist eine angenehme Umgebung für so ein Erlebnis. Die Tische, an denen die Gäste sitzen, sorgen für die notwendige Distanz.

Die Frage, ob sie am Tag eines Konzerts vorher stundenlang schweigt, amüsiert Pascal von Wroblewsky ein wenig, so, als ob das Leben innehalten würde, nur weil am Abend gesungen werden soll: „Auch an so einem Tag gebe ich ja oft noch Gesangsunterricht.“ Und manchmal kommt auch noch der Anruf eines verzweifelten Schauspielers dazwischen, der spürt, wie sich seine Stimme verabschiedet, und nun von ihr erwartet, dass sie ihm mit ihren Tipps als Feuerwehrfrau in Sachen Stimme die Vorstellung rettet. „Ich muss nicht schweigen. Das liegt auch daran, dass ich an der Hochschule einen begnadeten Lehrer in Stimmbildung hatte. Der hat mir beigebracht, mit der richtigen Technik zu sprechen. Deshalb ist meine Stimme immer fit.“

Das Abstandhalten, das wegen der Pandemie gerade in Mode geraten ist, findet Pascal von Wroblewsky äußerst angenehm: „Ich habe es schon immer gehasst, dass besonders in der Theater- und Musikbranche ständig wildfremde Leute Anlauf nehmen, um mich zu umarmen. Das finde ich übergriffig und vermisse es jetzt auch gar nicht.“ Auch enge Freunde werden gerade nicht in den Arm genommen, weil es einfach dem Abstandsgebot widerspräche: „Die umauge ich.“

Langsam geht es mit den Auftritten wieder los: „Gerade habe ich mit Kollegen den Jazzclub B-Flat wiedereröffnet.“ Die Frage nach dem nächsten Projekt lässt das Herz der Sängerin hüpfen: „Wir bereiten gerade ein Programm mit Songs von Burt Bacharach vor.“ Das heißt „A Look of Burt“ und wird am 3. September seine Premiere beim Festival „Women in Jazz“ in Halle/Saale feiern. die Künstlerin winkt ein wenig mit dem Zaunpfahl: „Hoffentlich können wir das auch bald mal in Berlin spielen.“ (Botschaft angekommen, liebe Veranstalter?!)