Berlin - Das Warten hat sich gelohnt. Elf Jahre, nachdem der Umbau des Bahnhof Ostkreuz offiziell begonnen hat, wird sich dort für die Fahrgäste nun endlich vieles verbessern. Doch bis es so weit ist, müssen Zehntausende von S-Bahn-Nutzern erneut leiden – diesmal ziemlich lange, wie die Deutsche Bahn (DB) am Dienstag mitteilte. Über mehrere Wochen wird es Pendel- und Schienenersatzverkehr geben, sagte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der DB für Berlin.

Das neue Ostkreuz ist ein Puzzlespiel, das am Ende eine halbe Milliarde Euro kosten wird. Auf diesen Betrag bezifferte Projektleiter Christian Welzel am Dienstag die Bau- und Planungskosten.

Mehr als 50 Mal wurden die Teile des Spiels neu gemischt – „so viele unterschiedliche Bauzustände gab es“, sagte Michael Baufeld von der Bahn. Für die Fahrgäste hieß das: Sperrungen, Schienenersatzverkehr, Umsteigen.

Ohne Umsteigen in die Innenstadt

„Doch nun erreichen wir bei diesem Super-Marathon den Endspurt“, sagte Kaczmarek. Los geht es am 21. August. Dann fahren die S-Bahnen der Linie S 3, die seit 2011 am Ostkreuz enden, wieder darüber hinaus – alle zehn Minuten bis Westkreuz. Wer zum Beispiel zum Alexanderplatz oder zum Zoo will, muss nicht mehr am Ostkreuz umsteigen.

Die langjährige Verkürzung der S 3 habe Köpenick zur „Inselstadt“ gemacht, sagte Kaczmarek. Diese Zeit sei dann vorbei. Sie dauerte zwei Jahre länger als anfangs angekündigt. Ab Dezember führt die Linie S 3 sogar bis Spandau – allerdings endet jede zweite Bahn am Ostbahnhof.

Zum 21. August ändert sich auch noch etwas anderes. Dann beginnt der Richtungsbetrieb, bei dem der S-Bahn-Verkehr in Richtung Westen und Osten an jeweils einem Bahnsteig konzentriert wird. Die Zeiten des „S-Bahn-Lottos“, als die Züge an unterschiedlichen Bahnsteigen hielten, ist damit endgültig vorbei.

Zweimal pro Stunde zum BER

Die zweite Etappe soll bis 10. Dezember bewältigt werden. Dann geht die neu gebaute Südkurve in Betrieb – Schöneweide und Adlershof erhalten wieder eine direkte Verbindung in die Innenstadt. Die Route ist seit 2009 unterbrochen, anfangs sollte sie bereits fünf Jahre später wieder in Betrieb gehen. Die S 9 wird alle 20 Minuten Schönefeld (später den BER) mit Spandau verbinden. Auf der Südkurve werden die Bahnen das Ostkreuz passieren – anders als früher ohne Stopp.

Dafür werden vom 10. Dezember an Regionalzüge, die bisher ohne Halt durchfuhren, am Ostkreuz halten. Die Regionalexpresslinien RE 1, 2 und 7 sowie die Regionalbahnlinie RB 14 bekommen dort einen regulären Stopp. Damit vergrößert sich der Radius, den die Fahrgäste am Ostkreuz haben.

Vom neuen Regionalbahnsteig in der unteren Ebene, intern Ru genannt, können sie nach Potsdam, Wismar, Frankfurt (Oder), Dessau und Cottbus fahren. Vom 10. Juni 2018 an soll es auch zweimal pro Stunde zum BER gehen – wenn der Hauptstadt-Flughafen dann schon eröffnet ist, sonst später.

Keine S-Bahnen zwischen Lichtenberg und Ostkreuz

Zum 9. Dezember 2018, ein Jahr später als zuletzt geplant, wollen die Bauleute den Endzustand am Ostkreuz erreichen. Mit der Fußgängerbrücke sollen auch der zweite und dritte Regionalbahnsteig im unteren Teil fertig werden. Dann kann man vom Ostkreuz noch mehr Ziele ansteuern. Wer mit der Regionalbahnlinie RB 26 zum Wandern in die Märkische Schweiz, zum Radfahren an die Oder oder zum Einkaufen nach Kostrzyn (Küstrin) in Polen will, kann dort einsteigen. Ende 2018 wird der Bahnhof auch Toiletten bekommen, teilte die Bahn mit.

Doch bevor nun weitere Teile des Bahn-Knotenpunkts im Osten ans Netz gehen, wird es für die S-Bahn-Fahrgäste unangenehm – während der kommenden Sommerferien. „Vom 21. Juli bis 21. August sind große Einschränkungen erforderlich“, sagte Detlef Speier von der S-Bahn. Ein weiterer Grund sei, dass ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb geht. Fahrgäste sollten sich jeweils aktuell informieren.

Während des gesamten Zeitraums fahren zwischen Lichtenberg und Ostkreuz keine S-Bahnen. Am ersten Wochenende wird der Schienenersatzverkehr sogar zeitweise bis zum Hauptbahnhof ausgedehnt. Besser ist es aber, die U 5 zu nutzen, die alle drei oder vier Minuten fährt. Auch die Fahrgäste der S 3 sollten sich nach Alternativen umsehen. So wird die S-Bahn-Strecke zwischen Karlshorst und Ostkreuz vom 8. bis zum 21. August unterbrochen.

Die Linie S 75 wird verkürzt

Danach wird für die Fahrgäste vieles besser – alle Wünsche werden aber nicht erfüllt. So wird der Regionalbahnsteig, der im Dezember in Betrieb geht, kein Dach bekommen. Die Ringbahn, die darüber verläuft, reiche als Wetterschutz aus, hieß es.

Die Forderung des Fahrgastverbands IGEB, die unteren Bahnsteige nicht mit Verkaufspavillons zuzustellen, bleibt ebenfalls unerfüllt. „Von der Größe her passt das schon“, sagte Kaczmarek. Auch die Entscheidung, die Linie S 75 zu verkürzen, wird nicht revidiert. Von Wartenberg fahren die S-Bahnen ab 21.

August nur noch bis Ostkreuz oder Lichtenberg, nicht mehr bis Westkreuz. Kritik gab es auch daran, dass die Bahn den Regionalbahnhof Karlshorst am 9. Dezember schließen will. „Auf Wunsch der Landes werden wir diese Entscheidung nun nochmals prüfen“, hieß es jetzt.