Erzbischof Heiner Koch ist, was den Umbau seiner Bischofskirche betrifft, in keiner beneidenswerten Lage. Die Sanierung der St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz in Mitte soll ein großer Wurf werden. Heiner Koch will aus der wichtigsten katholischen Kirche der Stadt eine Hauptstadtkirche mit Ausstrahlung machen – eine, in die auch Touristen gerne kommen. Nach wie vor steht aber ein Teil der Gläubigen den Plänen ablehnend gegenüber. Außerdem hat er erboste Denkmalschützer und einen sensiblen Baugrund zu beachten.

Heiner Koch wählt deshalb eine Politik der kleinen Schritte. Am Donnerstag hat er erst mal eine Kostenrechnung vorgestellt: 43 Millionen Euro für einen Totalumbau gegenüber 16,8 Millionen Euro für die Ertüchtigung des Baus und eine Innenraumsanierung im Bestand. Vor einer Entscheidung will er dann noch ein Symposium veranstalten.

Defekte Infrastruktur

Die Hedwigs-Kathedrale ist in keinem guten Zustand. Heizungs- und Lüftungsanlage sind defekt, Elektro- und Sanitärinstallationen veraltet, die Wände sind feucht, das Dach undicht, die Akustik schlecht, es fehlen Lagerflächen, und Behinderte haben nur eingeschränkten Zugang. Das Erzbistum hat ein Architekturbüro mit einer Kostenschätzung beauftragt, und dieses kommt für Renovierungsarbeiten und Installationen, darunter ein Aufzug, auf Kosten in Höhe von knapp 17 Millionen Euro.

Vorgesehen ist aber eigentlich etwas anderes. Wie berichtet, hatte das Erzbistum im vergangenen Jahr einen Architektenwettbewerb veranstaltet. Der Siegerentwurf des Architekturbüros Sichau und Walter sieht vor, die Raumkonzeption zu verändern. Die zentrale Öffnung in der Kirchenmitte in die Unterkirche soll geschlossen werden.

In der Rotunde soll eine Sakramentskapelle entstehen. Für 7,5 Millionen Euro will die Kirche die Hoffläche unterkellern und eine neue Sakristei bauen. Die Unterkirche soll zu einer Taufkapelle werden, inklusive einer Neugestaltung der dortigen Grabanlagen. Dazu käme die Sanierung des Gebäudes sowie technische Anlagen für den Chor und neues Mobiliar. Von dem denkmalgeschützten Nachkriegsumbau des Innenraums nach den Plänen von Hans Schwippert würde nicht viel übrig bleiben.

Fachleute tagem im Dezember

Heiner Koch ist einer, der bedächtig vorgeht. Öffentlich will er sich bisher nicht festlegen. „Ich habe an beide Seiten noch sehr viele Fragen“, sagt er. Die will er im Dezember den Fachleuten bei der geplanten Tagung stellen. „Es ist mir sehr wichtig, dass die Entscheidung auf sicheren Füßen steht“, sagt er.

Ob sich diejenigen überzeugen lassen, die an der Schwippert’schen Innenraumgestaltung hängen, ist fraglich. „Ich bin dankbar, dass mir inzwischen viele geschrieben haben, dass sie mit der Kathedrale und dem Bischof verbunden bleiben wollen, auch wenn ihre Vorstellungen nicht umgesetzt werden“, sagt Koch. Diese Gruppe wachse deutlich an.

Schwierig sind aber auch die Erweiterungspläne. Nach Schäden an der Friedrichswerderschen Kirche durch Baumaßnahmen muss eine Gefährdung der Standsicherheit der Kathedrale ausgeschlossen werden. Bodenuntersuchungen ergäben aber keinen Grund zu Befürchtungen, so das kirchliche Baudezernat. Die Kathedrale stehe auf den Überresten des historischen Festungswalls und damit auf festerem Grund als andere Gebäude.