Berlin - Eine der wichtigsten Ost-West-Achsen in der Innenstadt soll verschmälert und in einen Zickzackkurs verwandelt werden. In diesem Jahr will der Senat das Bebauungsplanverfahren für den Umbau des Molkenmarktes in Mitte starten, sagte der neue Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Andreas Geisel (SPD), während seiner Jahrespressekonferenz am Montag. „Wir wollen den Straßenraum umgestalten, um Bauflächen zu gewinnen.“ Betroffen ist der Straßenzug Grunerstraße/ Mühlendamm. Für die Autofahrer, die zwischen Alexander- und Potsdamer Platz unterwegs sind, wird das gravierende Folgen haben.

Zwei Verkehrsknotenpunkte

„Die überbreite Verkehrsachse und das Parkhaus sind keine städtebaulichen Highlights“, sagte Geisel. Der Koalitionspartner CDU sei einverstanden, „die bisherige Blockade besteht so nicht mehr“. Die Einzelheiten des Umbauprojekts sollen während des Verfahrens geklärt werden, das zwei Jahre dauert. Die Grundzüge wurden schon 1999 im Planwerk Innenstadt präsentiert. Allerdings wurde das Thema immer wieder zurückgestellt – wegen der Kosten, die 2007 auf 16 Millionen Euro beziffert wurden, und der Brisanz, erinnerte sich Jörg Becker vom ADAC. Doch nun macht der Senat Ernst und rollt das 2009 begonnene Planverfahren 1-14 neu auf.

Aus dem Molkenmarkt, der großen Kreuzung hinterm Roten Rathaus, sollen zwei Knotenpunkte werden. Wo die Autos seit DDR-Zeiten auf einer breiten Verkehrsschneise geradeaus fahren dürfen, müssen sie künftig abbiegen. Durch die Verlegung und Verkleinerung der Fahrbahnen wird Platz für das geplante „Klosterviertel“ gewonnen – für Neubauten mit Wohnungen, Büros sowie Läden.

„In der Leipziger wird es eng“

Außerdem wird dort die Straßenbahn verkehren – auf dem Weg vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz und zum Kulturforum. Die Planung der Neubaustrecke soll 2015 beginnen. Geisel: „In der Leipziger Straße wird es eng.“ Der Umbau am Molkenmarkt soll beginnen, nachdem die Verlängerung der U-Bahn-Linie U 5 fertig geworden ist – nach heutigem Stand 2020.„Bis dahin werden wir nicht auch noch eine zweite Achse unterbrechen“, versprach Geisel.

Und er beschwichtigte: Die wenigsten Bebauungsplanentwürfe durchlaufen das Verfahren ohne Änderungen. Doch Jörg Becker erwartet keine Änderung der Tendenz, die sich gegen das Auto richte: „Wir fordern, dass die Ost-West-Achse leistungsfähig bleibt.“