Regine Günther (Grüne) hat Parkplätze auf der Karl-Marx-Allee streichen lassen. 
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BerlinBerlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) will radikal die Stadt umbauen – weg vom Auto, hin zu Rad und Bahn. Bei ihrer Einmischung in den Umbau der Karl-Marx-Allee ist die Verkehrssenatorin jetzt allerdings vor allem radikal rücksichtslos vorgegangen. Sie hat entschieden, dass mehr als 160 Parkplätze an der Karl-Marx-Allee wegfallen sollen.

Statt eines betonierten Mittelstreifens mit Parkplätzen will Günther eine grüne Wiese. Die Verkehrs- und Umweltsenatorin, die noch gar nicht so lange Mitglied der Grünen ist, hat dafür Gründe, die Sinn machen: Parkplätze auf dem Mittelstreifen seien ein Verkehrsrisiko und Versickerungsflächen müssten sein, so Günther. Eine völlig legitime Einschätzung, ein eigentlich legitimer Eingriff der zuständigen Verwaltung – aber zum falschen Zeitpunkt, nämlich: viel zu spät.

Bürger mitnehmen statt vor den Kopf stoßen

Denn jetzt laufen die Bauarbeiten schon. Und bei der Planung des Umbaus wurde Partizipation großgeschrieben. Seit 2011 hat der Bezirk Mitte zahlreiche Bürgerveranstaltungen ausgerichtet. 2014 wurde bei einer Veranstaltung im Café Moskau laut SPD-Stadtrat Ephraim Gothe (SPD) speziell die Parkplatzsituation thematisiert. Der Andrang war groß, laut Gothe kamen Hunderte Anwohner – und der Tenor sei deutlich gewesen: Wir wollen die Parkplätze, wir brauchen sie.

So sehr man die Verkehrswende will, so sehr die Stadt sie braucht: Den Willen der Bürger zu ignorieren und solche Änderungen nicht zu kommunizieren, ist mehr als schlechter Stil und auch Günthers Sache nicht dienlich. Der Umbau der Stadt wird ohnehin schmerzen und Opfer von vielen Bürgern fordern. Man sollte in diesem Prozess er- und aufklären – und Bürger nicht so vor den Kopf stoßen.