Berlin - Geduld sollte man schon haben, wenn man in Berlin ein großes Verkehrsprojekt plant. So ist es auch bei der Grunderneuerung des S-Bahnhofs Warschauer Straße, der einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in der östlichen Innenstadt darstellt. Zunächst wurde mitgeteilt, dass das 27-Millionen-Euro- Vorhaben in Friedrichshain 2013 fertig wird. Dann war von 2014 die Rede. Inzwischen heißt es: „Wir gehen von einer Eröffnung im Laufe des Jahres 2015 aus“, sagte Michael Baufeld von der Deutschen Bahn (DB) Projekt Bau am Donnerstag.

Ob früh im Berufsverkehr, nach Feierabend oder wenn die Clubs aufmachen: Auf der Warschauer Brücke mit ihrer grandiosen Aussicht auf den Fernsehturm drängen sich Tag und Nacht Fußgänger – darunter viele Fahrgäste, die den U- oder den S-Bahnhof ansteuern, zur Straßenbahn oder zum Bus eilen.

Seit Jahren besteht der S-Bahnhof Warschauer Straße nur aus ein paar provisorischen Stegen und Treppen. Den langen Weg zum derzeit einzigen S-Bahnsteig säumen Unmengen von abgestellten Fahrrädern sowie Imbisse, in denen es billig Bier und Würstchen gibt – ein Berliner Idyll der besonderen Art.

Warten auf die Genehmigung

Doch es ist ein Idyll auf Zeit. Denn die DB will den Nutzern des S-Bahnhofs, deren Zahl Schätzungen zufolge von bislang 55.000 auf mehr als 85.000 steigen wird, ein ordentliches Empfangsgebäude bauen. Eines mit einer ganz besonderen Optik: „Es wird mit Kupferblech verkleidet“, so Baufeld. Eine Beschichtung soll dafür sorgen, dass die Brauntönung bleibt und nicht ergrünt. Drinnen soll es 500 Quadratmeter Laden- und andere Mietflächen geben, vor allem aber viel Platz, auf dem sich die Fahrgäste bewegen können. In Zukunft wird der S-Bahnhof für den Zugverkehr stadtein- und stadtauswärts je einen Bahnsteig haben, inklusive Fahrtreppe und Aufzug.

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An der Südseite, die in Richtung Kreuzberg weist, plant die DB einen weiteren Eingang. Dort soll der Steg münden, mit dem der Senat die Station mit dem Areal um die Arena am Ostbahnhof und dem U-Bahnhof Warschauer Straße verbinden will. Einen definitiven Termin gibt es dafür noch nicht. Pläne, auch die U-Bahngleise zum S-Bahnhof zu führen, hat die Verwaltung begraben: zu teuer. Noch länger liegt die Idee, die U 1 sogar zum Frankfurter Tor zu verlängern, schon in der Schublade.

Mit dem Bau des Bahnhofgebäudes darf die DB aber erst dann loslegen, wenn das Eisenbahn-Bundesamt dieses Projekt genehmigt hat. Dass der Planfeststellungsbeschluss bislang nicht vorliegt, ist der Hauptgrund für die Terminverschiebung. Die Planer sind jedoch zuversichtlich, dass er bis Jahresende eintrifft.

Wohin mit den Fahrrädern?

Damit der zunehmende Radverkehr auf der Warschauer Brücke nicht behindert wird, sollen die Lieferungen für die Läden darunter ausgeladen und per Aufzug nach oben befördert werden. Die Lieferwagen kommen über die Straße An der Ostbahn.
Über ein anderes Problem grübeln die Planer noch: Wohin mit den vielen Fahrrädern, die am S-Bahnhof abgestellt werden? Der Stations-Haupteingang wird nur rund vier Meter vom Gehweg entfernt sein, dort fehlt Platz. Vielleicht ließe sich der Fußgängersteg zum U-Bahnhof verbreitern, meinte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club. Das würde das Senatsprojekt aber um eine Million Euro verteuern. Baufeld: „Eine schnelle Lösung gibt es nicht.“