Sehr lange hat Gustav Lange auf diesen Moment gewartet, genau 22 Jahre. 1994 hatte der Hamburger Landschaftsarchitekt den damals erst sieben Hektar großen Mauerpark gestaltet. Am gestrigen Montag, also gut zwei Jahrzehnte später, sitzt der Professor, Ende 70, mit verschmitztem Lächeln im Restaurant Mauersegler im Mauerpark.

Er sagt, ihm sei es immer darum gegangen, im Mauerpark Freiräume zu schaffen. Orte, an denen die Menschen selbst entscheiden können, was sie dort machen wollen. Eben nur das, worauf sie gerade Lust haben. Der Mauerpark, sagt der Professor, war sein längstes Projekt. Und das anstrengendste. „Alle wollten über alles mitreden. Alle hatten eine Meinung.“ Aber nun sei alles geregelt, der Mauerpark ist fertig. Und größer, als er je geplant war.

Am Montag präsentierte der Senat die Umbaupläne für den erweiterten Mauerpark, der nun, mit dem sieben Hektar großen Areal auf Weddinger Seite, 15 Hektar groß ist. „Der Mauerpark ist eine der lebendigsten und bekanntesten Parkanlagen Berlins“, sagt Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD).

Rasen ramponiert

Doch die Zehntausenden Anwohner und Touristen, die an sonnigen Wochenenden zum berühmten Karaoke, den Bands und zum Flohmarkt kommen, haben dafür gesorgt, dass der Rasen ramponiert, die Flächen des Flohmarkts bei Regen schlammig sind. „Eine Erneuerung ist dringend notwendig“, sagt Geisel.

Um das neue Gelände westlich des einstigen Mauerverlaufs kümmert sich jetzt die landeseigene Firma Grün Berlin Stiftung. Anwohner, Stadtplaner und Landschaftsarchitekt Lange haben in 17 Workshops überlegt, wie der neue Teil des Mauerparks aussehen soll. Nun steht fest: Im südlichen Teil an der Bernauer Straße wird es weiterhin Bars und Kneipen wie den Mauersegler geben. Neue Toiletten werden gebaut. Die Fläche des Flohmarkts wird in der Woche auch für Sport und Freizeit nutzbar sein, vielleicht kommt ein Wochenmarkt hinzu.

280 Bäume werden gepflanzt

Eine breite Promenade durchzieht künftig den Mauerpark, umsäumt von Platanen. Insgesamt 280 Bäume werden gepflanzt. Ein Stadtplatz kommt hinzu, ein Abenteuerspielplatz, ein Garten mit Beeten, Podeste für künstlerische Vorführungen. „Linie der ungleichen Dinge“ nennt Grün-Berlin-Chef Christoph Schmidt diese multifunktionale Nutzung, ganz im Sinne von Langes Anspruch der Freiräume.

Bis Anwohner und Besucher den kompletten Mauerpark nutzen können, vergehen aber noch drei Jahre. Zurzeit entfernen Bagger die komplette Betondecke und Schotter. Bis 2018 werden am nördlichen Rand des Parks 700 Wohnungen gebaut, trotz Protesten von Anwohnern. Von 2017 bis 2019 errichten zudem die Wasserbetriebe unter dem Mauerpark einen unterirdischen Stauraumkanal für Regenwasser. Erst dann wird geklärt sein, ob im Mauerpark künftig Grillpavillons stehen werden. Bisher sind sie nicht vorgesehen. „Die besten Zeiten des Mauerparks kommen noch“, so Geisel.