Den Umbau von Schloss Biesdorf zur Bildergalerie hatte sich der Bezirk Marzahn-Hellersdorf dann doch etwas einfacher vorgestellt. Einfach das erste Geschoss der 1868 errichteten Turmvilla wieder aufbauen, das im Zweiten Weltkrieg 1945 abgebrannt war. Dach drauf. Fertig. Doch so schlicht gestaltet sich die Rekonstruktion des einstigen Herrensitzes der Familie Siemens nicht. Das hat Bürgermeister Stefan Komoß am Montag seinem SPD-Parteikollegen und Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen deutlich gemacht, der sich über einige Großprojekte in Marzahn-Hellersdorf informiert hat.

Die Arbeiten am Schloss liegen weit hinter dem Zeitplan zurück. Dass die Villa schon Ende 2014 wiedereröffnet werden sollte, daran mag im Bezirk niemand mehr erinnert werden. Das Fundament musste verstärkt werden, die Herstellung der Außenfassade erwies sich als Herausforderung – die Stuckelemente werden gesondert hergestellt und sollen erst im Laufe dieses Jahres angebracht werden. Voraussichtlich erst 2016 wird daher im Schloss eine in Berlin einzigartige Ausstellung eröffnen können – schon der Name „Galerie Bilderstreit“ ist provokant gewählt.

Gezeigt werden sollen dort nämlich Werke der DDR-Kunst, die derzeit in den Depots der Burg Beeskow im Land Brandenburg eingelagert sind. Dazu zählen etwa Werke von Willi Sitte, Wolfgang Mattheuer und anderen Malern. Im Schloss sollen etwa 100 Bilder, Grafiken und Fotografien auf rund 1 500 Quadratmetern Fläche ausgestellt werden, die als sogenannte Auftragskunst in der DDR entstanden waren und ehemaligen volkseigenen Betrieben (VEB) oder den Parteien und Massenorganisationen gehörten.

Auf Burg Beeskow lagern mehr als 20 000 solche Werke, die Eigentum der Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind. Allerdings können nur wenige Stücke auf der Burg gezeigt werden, daher soll nun Schloss Biesdorf zum „Schaufenster für die DDR-Kunst“ werden, sagte die Beeskower Archivleiterin Ilona Weser. Auch soll es Vorträge und Diskussionen geben, so dass das Schloss zu einem Ort der Auseinandersetzung mit der DDR-Kunst werden kann.

Der Bezirk hat schon vor Jahren 3,5 Millionen Euro Fördermittel aus dem Europäischen Kulturfonds (EFRE) erhalten, um das Schloss zu rekonstruieren. Die Lottostiftung hat weitere 3,5 Millionen Euro ausgeschüttet, der Bezirk muss den Rest beisteuern. Doch die Bauverzögerungen könnten finanzielle Folgen haben: Wird der Umbau nicht in diesem Jahr abgeschlossen, könnte die EU ihre Fördermittel zurückfordern. Wie dies verhindert werden kann, haben Senat und Bezirk noch nicht geklärt.

Rathaus als Ruine

Unterstützung des Finanzssenators erhofft sich der Bezirk nicht nur für das Schloss Biesdorf, sondern auch für das Rathaus Marzahn am Helene-Weigel-Platz. Probleme gibt es vor allem mit dem Brandschutz. 20 Millionen Euro kosten die Maßnahmen. „Entweder es wird saniert, oder der Bezirk muss ausziehen und die Berliner Immobilienmanagement bekommt eine Ruine“, sagt Baustadtrat Christian Gräff (CDU).

Der Cleantech Business Park an der Bitterfelder Straße gilt hingegen als Erfolgsgeschichte. Dort wurde das Klärwerk Falkenberg abgerissen. Das 90 Hektar große Areal hat der Bezirk für 40 Millionen Euro hergerichtet, neue Leitungen und Straßen gebaut. Kollatz-Ahnen und Gräff suchen nun gemeinsam nach Wegen, wie die Grundstücksverkäufe schnell abgewickelt werden können, damit die Ansiedlung von Firmen aus der Branche der erneuerbaren Energien erleichtert wird.