Friedrichshain wandelt sich – das gilt vor allem fürs Ostkreuz und seine Umgebung. Im Bahnhof steigen immer mehr Fahrgäste ein und aus, ab Dezember halten dort auch Regionalzüge. Darunter entstehen bereits Teile des Tunnels, in dem die Stadtautobahn unter dem einst so ruhigen Wohnviertel verlaufen wird. Ein weiteres Projekt wird die Sonntagstraße verändern: Wo heute wenig Verkehr ist, sollen von 2019 an Straßenbahnen fahren. Jetzt stellten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Senat ihre ersten Pläne vor.

Noch fährt die Straßenbahn einen Bogen ums Ostkreuz. Aber so, wie es ist, soll es nicht bleiben. „Der Bahnhof gewinnt an Bedeutung“, sagte Matthias Horth von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Darum soll die Linie 21 aus Richtung Bersarinplatz alle zehn Minuten zum Ostkreuz verkehren. Gut möglich, dass der Verkehr auch nach Osten auf einen Zehn-Minuten-Takt verdichtet wird – etwa zur Kosanke-Siedlung in Rummelsburg.

Viel Platz für Radfahrer

Einige Anwohner fordern, nur eine kurze Strecke von der Marktstraße zum Ostkreuz zu bauen, damit die Sonntagstraße gleisfrei bleibt. Sie befürchten, dass quietschende Bahnen auf den engen Kurven ihnen die Ruhe rauben und dass am belebten Annemirl-Bauer-Platz Unfälle drohen. Aber auch für Hans Panhoff (Grüne), Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, ist die Debatte über die Streckenführung beendet. Die beiden Gleise werden durch die Sonntag- zur Marktstraße führen.

Jürgen Sember von der BVG präsentierte Bürgern die Vorplanung. Danach war klar: Autofahrer bekommen weniger Platz, zwischen Radlern und Fußgängern drohen Konflikte. So fällt in der Holteistraße ein Fahrstreifen weg, in der Sonntagstraße ist kein Querparken mehr möglich. „Dort gehen 90 Parkplätze verloren“, so der SPD-Abgeordnete Sven Heinemann. In der Boxhagener Straße müsse Ersatz entstehen.

In der Sonntagstraße wird der Raum neu aufgeteilt. Der nördliche Bordstein wird verlegt, der Gehweg 20 Zentimeter schmaler. Für Radler entsteht beiderseits der Gleise ein „Bewegungsraum“ von 1,30 Meter Breite plus 50 Zentimeter Sicherheitsabstand zu parkenden Autos.

Erst 2019 soll der Betrieb beginnen

An den Haltestellen in der Holtei- und Sonntagstraße sollen die Radfahrer über „Kaps“ fahren – über die Gehwegvorsprünge, auf denen sich die Fahrgäste aufhalten. Solche Verkehrsführungen gibt es auch auf der Kastanienallee in Prenzlauer Berg.

„Es könnte zu Kollisionen zwischen Radfahrern und Fußgängern kommen“, gab Franziska Schneider vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zu bedenken. Doch Jürgen Sember verwies auf die Straßenverkehrsordnung: Wo Haltestellenschilder stehen, müssen alle Fahrzeuge anhalten, wenn eine Straßenbahn stoppt – auch Radler.

Im kommenden Jahr soll nun das Planfeststellungsverfahren für die Strecke beginnen, 2017 der Bau. „Ganz schön spät“, meinte Heinemann. Das Ostkreuz werde schon Ende 2017 fertig. Ursprünglich sollte die Tram 2016 dorthin fahren.