Sackgassen Verkehrsschild vor blauem Himmel.Viele Diskussionen führen mitunter in eine symbolische Sackgasse.
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BerlinSeit Jahren tobt sie hin und her, in den vergangenen Wochen hat die Debatte um die Umbenennung der Mohrenstraße in Berlins Mitte noch an Schärfe zugenommen. Ist der Name rassistisch oder nicht?

Das ist die heiß umstrittene Frage. Ich lese alle Artikel der Kolleginnen und Kollegen zu dem Streit, genauso wie Hunderte von Leserbriefen und bin nun völlig verwirrt. Ob es die historische Betrachtung oder die menschlichen Empfindungen sind, die darin beschrieben werden, mir leuchten sie alle ein. Wie soll ich mich entscheiden, welche Meinung habe ich? Gedanklich fühle ich mich in einer Sackgasse.

Auf der Suche nach Hilfe googele ich das Wort „Sackgasse“ und erfahre auf Wikipedia, dass diese Straßenform im Englischen „dead end street“ genannt wird. Schrecksekunde! Tote? Bitte nicht. Da fällt mir Siegfried Brockmann ein. Der Unfallforscher beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft weiß stets Rat, wenn es um gefährliche Situationen geht. Ich erreiche ihn am Telefon und er sagt ohne Umschweife: „Ich schaue aus meinem Bürofenster tatsächlich auf die Mohrenstraße und verfolge die Diskussion mit Interesse.“

Geforscht hat noch niemand zu Sackgassen, wohl weil diese unter den Straßen die harmlosesten sind. Sie entschärfen mehr, als dass sie eskalieren. Siegfried Brockmann erklärt, warum. „Sackgassen zeichnen sich durch geringe Verkehrsstärke aus, dadurch passieren dort auch eher weniger Unfälle, deshalb sind sie für einen Unfallforscher wie mich natürlich eher etwas Gutes.“ Schließlich seien sie eine sinnvolle, einfache Möglichkeit, den Verkehr zu beruhigen. Gerade in Wohngebieten, die Autofahrer gerne als Abkürzung nutzen und sie so gefährlich machen für die Menschen und Tiere dort, reduzieren sie mit geringen Mitteln den Durchgangsverkehr.

Die Gefahr bei Sackgassen sei eine andere, erläutert Siegfried Brockmann. „Ungünstig ist es natürlich, wenn trotz eines ausreichenden Wendekreises ein großes Auto wie ein Müllfahrzeug dort nicht wieder rauskommt, weil zu viele Autos alles zuparken.“ Hört sich so ähnlich an wie die derzeitige Situation.

Statt Umkehr ist dann Pause angesagt. Erzwungen, aber nicht unwillkommen. So rufe ich der BVG, die den Streit nun endlich schlichten und den U-Bahnhof Mohrenstraße in U-Bahnhof Glinkastraße umbenennen will, zu: Haltet ein, kehrt um. Sucht nach anderen, brauchbareren Wegen.

Wie wäre es mit Anwohnerbefragungen oder Online-Abstimmungen, an denen jeder mit Berliner Pass teilnehmen darf? Wie wäre es mit öffentlichen Informationsveranstaltungen und Diskussionen?