Berlin - Hochhäuser am Alex? Die Pläne des Architekten Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 gelten inzwischen als überholungsbedürftig, auch die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher wirbt für eine neue Debatte über die Entwicklung des wichtigsten Platzes im Ost-Zentrum der Hauptstadt. Und die Berliner?

Sie wollen keine Hochhäuser rund um den Alexanderplatz, obwohl ihnen die aktuelle Gestaltung und Architektur des Platzes auch nicht sonderlich gefällt. Dies sind zwei Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. Forsa befragte dafür zwischen dem 16. und dem 25. April 2013 1004 Berliner.

Nein zum Wolkenkratzer-Ring rund um den Alex sagen 68 Prozent der Berliner. Ost-Berliner, insbesondere die älteren, sind noch eindeutiger dagegen (79 Prozent). Für die zwei Jahrzehnte alte Kollhoff-Vision mit zehn jeweils 150 Meter hohen, architektonisch einander ähnelnden Häusern von der Karl-Liebknecht-Straße bis zur Alexanderstraße spricht sich nur rund ein Viertel (26 Prozent) aus.

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Dass es am Alexanderplatz aber nicht so bleiben sollte, wie es ist, scheint aus Sicht der Berlinerinnen und Berliner ebenso klar zu sein. Immerhin 41 Prozent der Befragten fühlen sich an dem Platz und in seiner Umgebung ausdrücklich unwohl. Annähernd so viele (38 Prozent) sagen zwar das Gegenteil, aber werden die Bürgerinnen und Bürger direkt nach der Art der Bebauung gefragt, sagt eine Mehrheit von 62 Prozent, die Gestaltung gefalle ihr „überhaupt nicht“ bis allenfalls „weniger gut“. Zufrieden mit dem Zustand des Ortes ist immerhin noch ein Drittel der Befragten (35 Prozent).

Erwartungsgemäß fallen hier die Unterschiede zwischen dem West- und dem Ost-Teil der Stadt aus: Ostler, die auch vor 1990 schon im Osten der Stadt wohnten, mögen die gestalterische Struktur des Platzes überdurchschnittlich oft (43 Prozent). Noch mehr Sympathien findet der Ort allerdings bei jungen Leuten unter 30. Von ihnen sagen 57 Prozent, also eine Mehrheit, der Alex und seine Gestaltung gefalle ihnen.

Doch die Architektur am Alex ist nur eines von vielen Kriterien, um den Platz zu beurteilen. Für etliche Hauptstädter, lagebedingt natürlich vor allem für die aus dem Osten, bietet der Alexanderplatz schlicht eine wichtige Infrastruktur fürs tägliche Leben. So nennen die meisten Befragten, immerhin fast jeder fünfte (19 Prozent), die Einkaufsmöglichkeiten als Pluspunkt. Auch hier sind (mit 31 Prozent) überdurchschnittlich oft jüngere Leute überzeugt.

Mehrheit bleibt skeptisch

Alles in allem steht eine Mehrheit der Hauptstädter dem Alexanderplatz ziemlich skeptisch gegenüber: 58 Prozent gefällt er, insgesamt gesehen, „weniger gut“ bis „überhaupt nicht“; nur 41 Prozent kommen zu einem guten Gesamturteil. Auch hier steht wieder Jung gegen Alt, stärker noch als Ost gegen West. Mehr als zwei Drittel der unter 30-Jährigen (69 Prozent) mögen den Alex, während knapp 75 Prozent der über 45-Jährigen der Ort eher missfällt.

Fast täglich ist übrigens jeder zwanzigste Berliner (fünf Prozent) am Alexanderplatz, mit etlichen U-, S- und Straßenbahnlinien sowie Bussen ohnehin ein zentraler Verkehrsknotenpunkt, unterwegs, von den Ost-Berlinern sogar jeder zehnte. Aber es gibt offenbar auch Hauptstädter, die noch niemals am Alex waren. Elf Prozent der Berliner sagen das von sich. Fünf Prozent im Osten, 15 im Westen.

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