Rossebändiger, Neptunbrunnen, Kolonnaden – eine Mehrheit der Berliner spricht sich für eine historische Gestaltung des Areals rund um das neue Schloss aus. Die Pläne für den Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals werden dagegen abgelehnt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des Fördervereins Berliner Schloss.

Sowohl in Berlin als auch im übrigen Bundesgebiet ergibt sich danach ein ähnliches Meinungsbild. Für eine historische Gestaltung des Schloss-Umfelds sprechen sich danach 65 Prozent der Befragten in Berlin aus, immerhin noch 52 Prozent sind es im Bundesgebiet.

Rossebändiger und Neptunbrunnen sollen umziehen

Nach dem Wunsch der Bürger sollen die Bronzefiguren der Rossebändiger, die derzeit im Kleispark stehen, zur Lustgartenseite des Schlosses zurückkehren. Außerdem wünschen sich die Befragten, dass der Neptunbrunnen vom jetzigen Platz vor dem Roten Rathaus zum historischen Standort am Schlossplatz umzieht.

Die Mehrheit folgt damit nicht der offiziellen Planung des Landes Berlin, die für die Schloss-Umgebung eine eher moderne Gestaltung mit großen Pflastersteinflächen vorsieht. Für eine moderne Gestaltung votieren nur 20 Prozent der Befragten Berliner und 17 Prozent der Befragten im übrigen Bundesgebiet.

Noch geringer ist die Zustimmung zum Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals: lediglich 18 Prozent der Berliner und 16 Prozent der Befragten in den anderen Bundesländern finden den preisgekrönten Entwurf für die Einheitswippe gut, aber 58 Prozent der Berliner und 43 Prozent der Bürger aus den anderen Bundesländern lehnen ihn ab.

Der Förderverein Berliner Schloss bezeichnete das Ergebnis der Umfrage am Montag als „frappierend“. Es konterkariere den  für den 1. Juni terminierten Beschluss des Deutschen Bundestags zugunsten des Freiheits- und Einheitsdenkmals. Der Verein rief dazu auf, für die bevorstehende Abstimmung im Bundestag  den Fraktionszwang aufzuheben. Die Entscheidung im Parlament solle zudem in namentlicher Abstimmung erfolgen. Das abstrakte Denkmal der Wippe wird nach Ansicht des Vereins der Freiheitsbewegung   von 1989 „nicht gerecht“.

Langes Hin und Her

Nach langem Hin und Her hatte die schwarz-rote Koalition im Februar entschieden, den preisgekrönten Entwurf des Büros Milla & Partner und der Choreographin Sasha Waltz zu realisieren. Der Entwurf trägt den Titel „Bürger in Bewegung“ und soll am Standort des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals unweit des Hauptportals des Berliner Schlosses errichtet werden.

Geplant ist eine begehbare Schale, die sich je nach Zahl der Bürger mal zur einen, mal zur anderen Seite neigt. Der Bau sollte ursprünglich im Jahr 2013 beginnen, verzögerte sich aber immer wieder. Im April 2016 entschied der Bundestags-Haushaltsausschuss, das Denkmal aufgrund von Kostensteigerungen von 10 auf fast 15 Millionen Euro nicht zu errichten. Die Haushälter bewilligten aber Ende 2016 überraschend 18,5 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Schloss-Kolonnaden an dieser Stelle. Im Senat zeigte man sich überrascht über das „Geschenk“. Denn es war mit den zuständigen Stellen nicht abgestimmt worden. Die jetzt vorgestellte Umfrage erhöht den Druck auf eine historische Gestaltung des Schloss-Umfeldes.