Am Anfang war der Fahrrad-Volksentscheid. Ein Aufbegehren für mehr Mobilität auf zwei statt auf vier Rädern, das schließlich zum Entwurf des Berliner Mobilitätsgesetzes führte. Es soll Mobilität in dieser Stadt sicherer und klimaschonender machen. Berlin soll Radschnellwege bekommen und einen öffentlichen Nahverkehr, der nicht nur besser, sondern sauberer wird.

Die gelben Busse der Stadt sollen spätestens 2030 vollkommen ohne Abgase fahren. Die rot-rot-grüne Koalition ist sich einig. Am Donnerstag soll das Gesetz verabschiedet werden. Aber formuliert dieser Leitfaden zur Berliner Mobilität auch das, was die Menschen dieser Stadt wollen? Die Berliner Sparkasse hat repräsentativ rund 1000 Berlinerinnen und Berliner befragt und zum Teil erstaunliche Antworten bekommen.

Zunächst aber die Ausgangssituation: Der Befragung zufolge sind die Berliner vorzugsweise mit Bussen und Bahnen unterwegs. Das Auto rangiert bei den Bewohnen der vermeintlichen Autostadt erst auf dem zweiten Platz. Der Rückstand ist nicht groß, aber deutlich. Zur Nummer drei, dem Fahrrad, ist die Lücke dagegen beträchtlich. Nicht einmal jeder zehnte Berliner, so das Umfrageergebnis, nutzt derzeit das Velo. Geht das Mobilitätsgesetz also am Bedarf vorbei?

Radikale Maßnahmen zur Luftverbesserung

Wohl nicht. Denn auf die Frage, welche Maßnahmen zuerst ergriffen werden sollten, um den Blutkreislauf der Stadt nachhaltig pulsieren zu lassen und einen Infarkt zu vermeiden, gibt mehr als die Hälfte der Befragten dem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs oberste Priorität. Danach sollten die Fahrradwege ausgebaut werden, während sich nur knapp jeder vierte Berliner mehr Autostraßen wünscht.

Dort will man dann aber offenbar vor allem mit dem E-Mobil unterwegs sein. Denn ebenfalls fast jeder vierte Befragte sieht es als notwendig an, dass die Elektromobilität gefördert wird. Also: wenn Auto, dann sauber. Ein Fünftel der Umfrageteilnehmer würde Diesel sofort teurer machen. Eine klare Mehrheit befürwortet sogar radikalere Maßnahmen zur Luftverbesserung, als die Politik meint, ergreifen zu können. Immerhin würden zwei von fünf Befragten auf den Straßen innerhalb des S-Bahnrings schon in sieben Jahren nur noch emissionsfreie Autos fahren lassen.

Demzufolge ist der Autokredit wohl kein Auslaufmodell und wird auch künftig auf eine nicht unbeträchtliche Stammkundschaft setzen können. Denn auf die Frage, was Berliner dazu bewegen könnte, öfter mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, antworteten 27 Prozent ziemlich klar und eindeutig: „Gar nichts!“