Lukas Huthmann (22), Berlin, Jura-Student an der HU Berlin:

Gerade weil mein Onkel in London lebt und ich deswegen eine enge Verbindung zu GB habe, finde ich es sehr schade, dass es nun scheinbar tatsächlich zum Brexit kommt. Allerdings sehe ich in dieser Veränderung auch die Chance für die verbleibende EU, näher zusammenzurücken und die notwendigen Reformen anzugehen, um langfristig zu bestehen.

Julian Craven (23), Berlin, Jura-Student an der HU Berlin:

Als Halbbrite bin ich schockiert - hauptsächlich, weil ich die Argumente für den Brexit für schwach halte. Sie sind von überholten Souveränitätskonzepten geprägt.  Schockiert bin ich auch, weil es für andere EU-Staaten einen Präzedenzfall schaffen könnte. Ich bin gespannt, ob Farage und Johnson ihre Versprechen in den Verhandlungen mit der EU halten können.

Sophie Engelhardt (23), Berlin, Jura-Studentin in Hamburg:

Ich finde es schade, dass die Mehrheit der Briten anscheinend nicht von der Idee eines vereinten Europas überzeugt ist. Jetzt können wir nur hoffen, dass der Brexit nicht andere Mitgliedsstaaten dazu verleitet, einen Austritt aus der EU anzustreben. Vielmehr muss die EU sich nun wieder besonders auf die derzeitig anstehenden Herausforderungen konzentrieren und an gemeinsamen Lösungen für die Flüchtlingspolitik und die Staatsverschuldung einiger Mitgliedsstaaten arbeiten. Aber allein, dass Trump zu dem Brexit-Votum gratuliert, sollte den Briten zu denken geben.

Esso Ouro-Bangna (41), stammt aus Togo, lebt seit 20 Jahren in Berlin, Rischka-Fahrer:

Egal kann die Entscheidung der EU-Gegner niemandem sein. Die Konsequenzen aus dieser Abstimmung sind überhaupt noch nicht absehbar. Wir kommen in eine unübersichtliche Situation.

Angela Zimninski (57), Berlin, Bilanzbuchhalterin:

Nein, ich habe nicht mit diesem Ergebnis gerechnet und nicht gedacht, dass die Briten so rückständig sind. Europa wird es aber trotzdem weiter geben.

Dorothea Bähr (17), Frohnau, Schülerin, Europäisches Gymnasium Bertha-von-Suttner:

Ich hoffe, dass es jetzt einen klaren Schnitt gibt. Damit Europa durch den Brexit nicht weiter an Glaubwürdigkeit und politischer Bedeutung verliert, sondern - im Gegenteil - das Augenmerk nun darauf gelegt wird, Europa mehr als bloße Wirtschaftsunion zu begreifen. Erst dann kann man als gestärktes Europa gemeinsam in eine Zukunft blicken.

Thorben Kurzbach (17), Schüler, Europäisches Gymnasium Bertha-von-Suttner, Hohen Neuendorf:

Besonders für junge Menschen ist Europa eine Chance: Europa ermöglicht das problemlose Reisen, Studieren und gegenseitige Kennenlernen. Einzelne Nationalstaaten können dies nicht leisten. Deswegen hoffe ich, dass es für Europa trotz des Brexits weiter geht.

Dr. Mathias Gollwitzer (54), Vorstand der First Sensor AG, Schöneweide:

Auch wenn die Entscheidung der Briten ein herber Rückschlag für den europäischen Gedanken und die EU ist, sehen wir aktuell keine wirtschaftlich-negativen Konsequenzen für unsere Geschäftsentwicklung bzw. den Sensormarkt. Offene Fragen in Bezug auf Handels- bzw. Zollschranken müssen natürlich zeitnah geklärt werden, allerdings dürfte niemand Interesse daran haben, den Warenverkehr zu verteuern.

Barry Burns, geb. 1974 in Glasgow, lebt in Berlin,  Gitarrist von Mogwai und Mitbetreiber der Kneipe "Das Gift":

Millionen britischer Schwachköpfe haben dem gesunden Menschenverstand ein weiteres Mal ins Gesicht geschlagen; und ein  törichter Premierminister hat einen epochalen Fehler begangen. Ich glaube nicht, dass Schottland noch lange im Vereinigten Königreich bleibt.