Umfrageergebnis: Berliner Unternehmen zahlen schlechter und bilden weniger aus 

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung befragt jährlich Arbeitgeber zur aktuellen Lage. Diesmal ging es um Fachkräfte und Berufsnachwuchs.

48 Prozent der Berliner Unternehmen können ihren Mitarbeitern Homeoffice anbieten.
48 Prozent der Berliner Unternehmen können ihren Mitarbeitern Homeoffice anbieten.imago/Eugenio Marongiu

Dass drei von vier Berliner Unternehmen wirtschaftlich unter den Folgen von Corona gelitten haben, kann man sich denken. Auch, dass sich jedes dritte in seiner Existenz bedroht sah, überrascht nicht. Diese Zahl aber durchaus: Zwölf Prozent der Berliner Firmen haben von Corona profitiert.

Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Befragung von Arbeitgebern, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit seit 1996 jährlich durchführt und aus den Daten dann das sogenannte IAB-Betriebspanel erstellt. Zuletzt wurden die Unternehmen im Herbst vorigen Jahres befragt. 15.217 Betriebe gaben Auskunft, darunter 947 aus Berlin.

Die Analyse belegt die kleinteilige Struktur der Berliner Wirtschaft. Drei Viertel der hiesigen Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeiter. Kurzarbeit half den allermeisten Betrieben durch die Krise zu kommen. Jede zweite Firma bot ihren Mitarbeitern Homeoffice an. Tatsächlich schaffte es die hiesige Wirtschaft recht gut durch die Pandemie. Immerhin stieg das Bruttoinlandsprodukt der Stadt im vorigen Jahr um 3,3 Prozent.

Allerdings fehlen nun die Fachkräfte, auf die es in dieser Stadt besonders ankommt. Denn während bundesweit 75 Prozent aller Arbeitsplätze eine Ausbildung erfordern, liegt dieser Anteil in Berlin bei 81 Prozent. Der Befragung zufolge hat sich der Bedarf an Fachkräften allein in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Das Angebot kam dagegen nicht hinterher. „Aktuell können fast zwei von drei Berliner Unternehmen ihre ausgeschriebenen Stellen nicht besetzen“, sagt Studien-Mitautorin Silke Kriwoluzky. Es fehlten schlicht die Bewerber.

Ausbildungsplatzumlage soll Ausbildungsplätze schaffen

Um geeignete Mitarbeiter zu bekommen, spielen die Arbeitsbedingungen freilich eine wichtige Rolle. Doch diese sind hier nicht die besten. Denn laut Betriebspanel 2021 gibt es in Berlin beispielsweise überdurchschnittlich viele Jobs, die sachgrundlos befristet sind. Zudem bieten nur 14 Prozent der Berliner Betriebe Tariflöhne, während es im ganzen Land 25 Prozent der Unternehmen sind.

Das größte Potenzial für Fachkräfte steckt allerdings in der betrieblichen Ausbildung, doch auch dort sticht Berlin nur negativ hervor. Jedenfalls bescheinigt die Studie nur 17 Prozent der Betriebe in der Hauptstadt, dass sie sich an der Ausbildung von Berufsnachwachs beteiligen. Bundesweit wird dies 28 Prozent der Unternehmen attestiert.

Berlins Arbeitssenatorin Katja Kipping von der Linken, die das Panel vorstellte, verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich die Berliner Regierungskoalition auf die „Erarbeitung von Eckpunkten“ für eine Ausbildungsplatzumlage verständigt habe. „Eine solche Umlage könnte jene Unternehmen unterstützen, die überproportional ausbilden und jene zur Kasse bitten, die zu wenig oder gar nicht ausbilden“, sagte sie.

Widerspruch aus der Wirtschaft kam prompt: „Die Nachwuchsgewinnung scheitert in vier von zehn Unternehmen daran, dass Ausbildungsbetriebe ihre angebotenen Ausbildungsplätze nicht besetzen können“, ließ IHK-Präsident Sebastian Stietzel mitteilen. Es brauche eine Berufs- und Studienorientierung, die die Kooperation von Unternehmen mit Schulen ausbaut.