Umgang mit Klimawandel : Manche Pflanzen mögen’s heiß

Wenn ein Rhododendron durstig ist, rollt er seine Blätter ein. Das ist ein trauriger, derzeit nicht seltener Anblick, denn es hat in Berlin seit zwei Monaten kaum geregnet. Der April war warm wie nie, die Mai-Durchschnittstemperaturen lagen fast vier Grad über der Referenzperiode von 1961 bis 1990. Das meldet der Deutsche Wetterdienst. Gärtnernde Menschen brauchen solche Zahlen nicht, wässern sie doch seit Wochen ihre Gemüsebeete, ihre Obstgehölze und Blumenrabatten. Parkrasen und Verkehrsinseln sind schon lange verdorrt. Dabei stehen uns die richtig heißen Monate noch bevor.

Kaum jemand bezweifelt, dass dies Anzeichen der globalen Klimaerwärmung sind. Starkregen, Hagelschauer und Überflutungen in anderen Teilen der Republik stehen dazu nicht im Widerspruch, im Gegenteil: Heftige Wetterereignisse sind ein Teil des Problems. Es ist ja nicht so, dass wir künftig einfach wunderbar milde Temperaturen hätten und in deutschen Gärten Mittelmeerobst gedeiht. Die Sommer werden wärmer, aber auch extremer, die Winter, so die Meteorologen, feuchter. Manche Forscher halten gar die Zunahme ausgeprägter Frostphasen für möglich, weil der Jetstream um den Nordpol stärkere Ausschläge zeigt. Das mag so ein Zitronenbaum gar nicht.

Heftige Wetterereignisse

Auch wenn vieles noch abzuwarten bleibt, eins ist sicher: Der Klimawandel bedeutet Stress für die Vegetation. In Berlin und Brandenburg, wo die sommerliche Trockenheit besonders deutlich zugenommen hat, müssen Pflanzen Hitze, Dürre, aber auch Frost verkraften. Sie dürfen nicht bei jedem Gewittersturm umknicken und sollten außerdem kurze Überflutungen tolerieren. Viele Gärtner empfehlen Kiefern oder Wacholder, dazu ein Beet mit unverwüstlichen Steppen- und Dünenpflanzen und trittfeste Bodendecker statt Rasen. Das kann sehr hübsch aussehen.

Flieder und Rosen als Alternative

Freunde üppigen Grüns und überbordender Blütenpracht brauchen aber nicht in Panik zu verfallen, auch einige romantisch wuchernde Schönheiten sind hart im Nehmen. Flieder zum Beispiel, aber auch Rosen mit ihren tief in die Erde reichenden Wurzeln vertragen Trockenheit gut. Besonders naturnahe Sorten wie Hecht- und Apothekerrosen sind zäh, man pflanzt sie nicht zufällig an Dünenränder oder Parkplätze. Die edleren Züchtungen brauchen ein bisschen Fürsorge, dafür erspart ihnen trockene Hitze so manche Pilzerkrankung.

Auch Stauden wie Steppenkerze, Fetthenne, Mädchenauge oder Purpursonnenhut gedeihen ohne viel Wasser. Zusammen mit hohen Gräsern sind sie fester Bestandteil umsichtig geplanter, pflegeleichter Präriebeete, in denen sie in zwanglos wirkender Mischung dauerhafte Gemeinschaften bilden. Natürlich machen sie sich auch überall sonst gut, solange dort die Sonne scheint. Und solange sich die Nässe nicht staut, wenn es doch einmal regnet – im märkischen Sand ist das aber kein Problem. Beliebt sind auch mediterrane Kräuter wie Salbei, Lavendel und Thymian, allerdings brauchen sie bei stärkeren Frösten etwas Schutz. Bei den einjährigen Sommerblumen, die im Herbst sowieso eingehen, ist die so zart wirkende Cosmea mit ihren weißen oder pinken Blüten überraschend zäh, genauso der filigrane Goldmohn – immerhin stammt er aus dem von Dürre geplagten Kalifornien.

Diese und viele andere Gewächse kommen mit harten Wetterbedingungen zurecht, man muss sie nur kennen oder kennenlernen. Heutzutage ist es noch wichtiger als immer schon, sich über die Bedürfnisse der Schützlinge zu informieren. Vielleicht tröstet es, sich klarzumachen, dass viele Gartenpflanzen aus anderen Gegenden der Welt stammen und ohnehin eine gewisse Fürsorge brauchen. Die Hortensie etwa, auf die manche Gärtner gerade einen Abgesang anstimmen, ist in feuchten Wäldern Ostasiens zuhause und war noch nie für „unser“ Wetter gemacht. Wer sie liebt, pflanzt sie seit jeher in den Halbschatten und gießt. Und kann hoffen, dass ihre Knospen künftig seltener erfrieren.

Schneeglöckchen blühen früher

Die Vegetationsperiode, so meldete das Umweltbundesamt am 13. Juni, hat sich seit 1961 um ungefähr zwei Wochen verlängert. Und zwar offenbar vor allem nach vorn: Die Schneeglöckchen blühen früher, die Apfelbäume auch. Das ist schön, aber auch kompliziert, wenn es dann doch noch einmal friert, wie letztes Jahr, als die Obsternte schwer beeinträchtigt war. Gibt es keinen späten Frosteinbruch wie dieses Jahr, sind schon im Juni die Kirschen und Johannisbeeren reif. Die ersten Bohnen wurden vor Sommeranfang gepflückt, der Salat beginnt schon jetzt zu schießen. Aber es ist ja noch Zeit für eine weitere Aussaat und Ernte, vielleicht sogar zwei. Denn in den letzten Jahren ließen auch die ersten Herbst- oder Winterfröste immer länger auf sich warten.

Ein langes Gartenjahr bedeutet mehr Gemüse aus der Region oder eigenem Anbau. Allerdings nur, wenn man sich auch darum kümmert, kein Salat, keine Gurkenpflanze verträgt Dürre. Daher heißt es gießen, am besten nicht täglich, dafür viel. Ein Schlauch unten im Beet oder die gute alte Gießkanne sind besser als die feine Dusche von oben. Die hält dafür das Gras grün, das ohne Sprenger ruckzuck verdorrt. Rasenflächen haben es in trockenen Sommern wirklich schwer, Gartenplaner denken deswegen ernsthaft über Alternativen nach, etwa Thymianteppiche. Im Beet hilft eine schützende Mulchschicht zwischen den Pflanzen. Ein bisschen Rasenschnitt oder andere zerkleinerte Pflanzenreste bremsen das Unkraut und dienen Regenwürmern und anderen nützlichen Bodenlebewesen als Nahrung.

Nichts ist bei Hitze so angenehm wie schattenspendende Bäume oder Sträucher. Wer welche pflanzt, sollte robuste, tief wurzelnde wählen. Neben Wacholder und Kiefer sind Felsenbirne, Kornelkirsche, Hainbuche, Rotahorn, Ginko oder Walnussbäume zäh und standfest. Jede Baumschule kann weitere Arten empfehlen. Auch begrünte Hauswände und bepflanzte Dächer sorgen für ein angenehmes Mikroklima, speichern CO2 und Wasser. Unverstopfte Dachrinnen und Regentonnen, vielleicht ein Gartenteich, dazu möglichst viele unversiegelte Flächen sind der beste Schutz bei Starkregen, der in diesem Sommer sicher auch noch in Berlin niedergeht. Vielleicht schafft man sich sogar eine Zisterne an? Das Wasser sollte jedenfalls nicht im ohnehin überforderten Gulli verschwinden, es wird dringend gebraucht, wenn Salat und Erbsen, Rhododendron und Hortensien wieder durstig sind.