Berlin - Kalt ist es in dem mehr als hundert Meter langen leeren Raum, der sich am Empfangsgebäude des Bahnhofs Zoo entlang zieht. Kahl ist er auch, denn die Wandverkleidungen und der Bodenbelag sind auf dem Müll gelandet. Trotzdem sind die Zooterrassen, das geschlossene Restaurant im ersten Stock, für Friedemann Keßler von der Deutschen Bahn (DB) ein Anlass zum Schwärmen.

„Dieser Ort ist einmalig in Berlin, vielleicht sogar in Deutschland“, sagt er. „Eine Balkonsituation mitten in der Stadt, von der man das Leben betrachten kann!“ Jetzt erneuert die Bahn die Zooterrassen und baut den einstigen Balkon wieder zur Freiluftterrasse um – als Auftakt zur Erneuerung des Bahnhofs Zoo, die das Gebäude voraussichtlich bis 2020 zur Baustelle machen wird.

Keßlers Begeisterung verwundert. Schließlich hatten die Berliner lange Zeit den Eindruck, als ob der DB der Bahnhof Zoologischer Garten egal sei. Während in der City West ein Bauprojekt nach dem anderen verwirklicht wird, verharrt das wichtigste Verkehrsgebäude im Dämmerschlaf. Einen besonders unguten Eindruck machen die Terrassen, wo in einem angestaubten Ambiente eine lieblose Systemgastronomie vegetierte, bis sie vor fast genau acht Jahren aufgab. Seitdem steht der Anbau von 1957 leer.

2006 war für das Gebäude ohnehin ein schlechtes Jahr. Der Bahnhof Zoo, 24 Jahre lang die einzige Fernbahnstation im Westen Berlins, wurde trotz heftiger Proteste degradiert. Seitdem fahren dort alle ICE-Züge durch, um stattdessen am neuen Hauptbahnhof zu halten. Am Zoo ging die Zahl der Fahrgäste zurück, und die ambitionierten Pläne aus den 1990er-Jahren, das gesamte Gebäude inklusive der leerstehenden Bereiche im Ostteil zu sanieren, verschwanden endgültig im Archiv.

Retrodesign in blau und beige

Doch die Stimmen, den Bahnhof endlich zu erneuern, wurden immer lauter – und vor einigen Jahren begann der Bahnkonzern einzulenken. „Was die Wirtschaftlichkeit anbelangt, ist dieses Projekt kein Selbstläufer. Aber wir sehen, was im Umfeld passiert. Es wäre ignorant, wenn wir nicht auch etwas tun würden“, sagte Keßler. Jetzt beginnt die DB nach langen Vorbereitungen und internen Abstimmungen damit, ein abgespecktes Konzept umzusetzen. Die Kosten beziffert Keßler, der den Regionalbereich Ost von DB Station & Service leitet, mit einem zweistelligen Millionenbetrag.

Der Umbau der Zooterrassen, der den Auftakt darstellt, kostet fünf Millionen Euro. Sobald die Plangenehmigung des Bezirks im Februar 2015 vorliegt, gehen die Entkernung und die Technikarbeiten weiter. Das schicke Design der 1950er-Jahre soll wiederhergestellt werden, versprach Architekt Michael Kersting.

Künftig soll die Metallkonstruktion des Vorbaus wieder so aussehen wie früher – mit Streben in taubenblau, beige und schwarz. „Dafür haben wir den Anstrich analysieren lassen“, sagte Kersting. Wie berichtet soll ein Teil der rund 900 Quadratmeter großen Fläche zu einer Terrasse umgebaut werden. Wie früher werden die Gäste draußen sitzen und auf den Hardenbergplatz schauen können. Im Frühjahr 2016 sollen die Zooterrassen fertig sein.

Wer dort einziehen wird, ließ die DB am Donnerstag noch offen. „Wir sind mit einem Unternehmen der Systemgastronomie in finalen Verhandlungen“, sagte Keßler. Systemgastronomie – das sind Restaurants, die von großen Unternehmen nach einheitlichen Standards betrieben werden. Zuletzt hieß es, dass McDonald’s in die Zooterrassen wechselt, um auch dort Hamburger zu verkaufen. Doch Sprecherin Jennifer Gehrmann teilte dazu auf Anfrage mit: „Eine künftige Ansiedlung oder ein zukünftiges neues Restaurant kann ich derzeit nicht bestätigen.“

Reisezentrum wird kleiner

Zum zweiten Bauabschnitt, der vom Eisenbahn-Bundesamt zu genehmigen ist, will die DB im zweiten Halbjahr 2016 den Startschuss geben. Bis Ende 2017 soll der mittlere Teil des Erdgeschosses umgebaut werden. Die Halle wird zum hinteren Durchgang, der heute separat verläuft, hin geöffnet. „Die Hinterhofsituation verschwindet“, so Keßler.

2600 Quadratmeter Mietfläche werden neu aufgeteilt. So wird das Reisezentrum, in dem es Fahrkarten gibt, nach Osten verlegt und verkleinert: von 400 auf 250 Quadratmeter. „Das heutige Reisezentrum ist überdimensioniert“, sagte Heiko Jentsch von der DB. Auch neue Großmieter wird es geben, zu den Interessenten gehören ein Lebensmittel- und ein Drogeriemarkt. Ob der dunkle Fußbodenbelag ausgetauscht wird, ist noch zu klären. Der Bahnhof Zoo steht unter Denkmalschutz.

Ansonsten bleibt der Ostteil des Gebäudes so, wie er ist: unzugänglich für die Öffentlichkeit. Allerdings erstrecken sich die Arbeiten auch auf diesen Bereich. Bis Ende 2019 oder 2020 wird die Haustechnik erneuert – inklusive Brandschutz.