Die umstrittene Installation der Gruppe "Zentrum für Politische Schönheit" vor dem Reichstag wird am Freitagvormittag umgebaut.
Foto: Eric Richard

BerlinDas Zentrum für Politische Schönheit gerät nach der  umstrittenen Holocaust-Aktion weiter unter Druck. Und baut ihre Installation vor dem Berliner Reichstag zumindest teilweise wieder ab, wie die Berliner Zeitung am Freitag erfuhr. Die Künstlergruppe hatte in Berlin und weiteren Städten sogenannte Gedenkstätten für jüdische Opfer des NS-Regimes errichtet. Dazu gehörten auch Stahlsäulen, die, wie die  Gruppe zunächst behauptet hatte, Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthielten. Weil das ZPS dabei auch das Gedicht "Die Asche von Birkenau" des jüdischen Schrifstellers Stephan Hermlin verwendete, hat sich dessen Familie unterdessen mit scharfen Worten an die Gruppe gewendet. 

"Sie haben es unternommen, das von meinem Vater Stephan Hermlin kurz nach dem Kriege verfasste Gedicht „Die Asche von Birkenau“ für Ihre zweifelhaften Zwecke zu missbrauchen", schreibt Andrej Hermlin in einem auf seinem Facebook-Account veröffentlichten Brief von Donnerstagabend. "Sie nennen sich selbst Künstler und bestehen darauf, als solche angesehen zu werden". Allerdings habe die Gruppe "auf die Einholung einer Erlaubnis der Rechteinhaber zur Verwendung des Gedichtes (...) großzügig verzichtet".

"Es soll Schande über Sie kommen"

Das korrespondiere "auf das Trefflichste mit Ihrer Anmaßung, über die Form der Erinnerung an jüdische Opfer befinden zu wollen.
Zur schlechten Gesinnung gesellt sich schlechter Geschmack". Hermlin fehle die "Fantasie mir vorzustellen, was Menschen dazu verleiten könnte, so zu handeln, wie Sie es getan haben. Es soll Schande über Sie kommen". 

Nachdem das Zentrum für Politische Schönheit wegen der Holocaust-Installation deutschlandweit massiv unter Druck geraten war, hatte sich die Gruppe entschuldigt. Nichts habe ihnen ferner gelegen, als die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen, teilten die ZPS-Aktivisten auf ihrer Internetseite mit. Man  wollen "bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben“, heißt es dort unter der Überschrift „Wir haben Fehler gemacht“.

Am Freitagvormittag waren mehrere Mitglieder der Künstlergruppe dann damit beschäftigt, Teile der umstrittenen Installation vor dem Reichstag abzubauen. Konkret ging es um die Säule, in der sich nach Angaben des ZPS Asche von Holocaust-Opfern befunden habe. Sie wurde entfernt, auf einen Transporter geladen und weggefahren. Wohin, war zunächst unklar ebenso wie die Frage, was nun mit der Säule geschieht. Anschließend stellten die Künstler eine neue Stahlsäule auf. 

In dieser Stahlsäule soll sich nach den ersten Angaben der Künstler Asche der Opfer des Holocausts befinden. Nach der massiven Kritik wurde Säule zunächst verhüllt, später die Installation umgebaut..  
Foto: Paul Zinken, dpa

Nach der anhaltenden Kritik hatte die Gruppe mitgeteilt, ihr Handeln sei angetrieben "vom Entsetzen über die Verbrechen der Nationalsozialisten“. Diese Erklärung will Hermlin nicht gelten lassen: Sie erkläre "nichts. Auf dem langen Weg von der Idee zur Umsetzung war sicher Gelegenheit für Reflexion und Überlegung. Sie spielen mit der Asche der Ermordeten, und Sie manipulieren ihr Publikum.". 

Klare Forderungen an umstrittene Künstlergruppe

Nun verlangen Andrej Hermlin und seine Familie vom Zentrum für Politische Schönheit "Auskunft darüber, wie viele Installationen Sie an welchen Orten errichtet haben. Wir wollen wissen, wohin die mittlerweile abgebauten Installationen transportiert worden sind und wohin die Asche der Toten gebracht werden soll". Zudem werden die Künstler dazu aufgefordert, "das Geld, das Sie für die Installation erhalten haben, abzugeben und zwar an Amcha Deutschland und an den Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus e.V.". Zudem behalte sich die Familie rechtliche Schritte vor. 

Auch der Zentralrat der Juden hatte die Aktion als unseriös bezeichnet. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, erklärte: „Die jüngste Aktion des Zentrums für politische Schönheit soll provozieren, ist aber tatsächlich nur geschmacklos, taktlos und pietätlos.“ 

Der Grünen-Politiker Volker Beck hatte nach eigenen Angaben  zudem Strafanzeige beim Staatsschutz wegen Störung der Totenruhe gestellt. "Falls es sich tatsächlich um die Asche von in der Shoah Ermordeten handeln sollten, wäre dies eine strafbare Verletzung der Totenruhe", hatte Beck auf seinem Twitter-Account geschrieben.