Für Ephraim Gothe (SPD), den neuen Baustadtrat in Mitte, ist das eine erste herbe Niederlage. Noch vor einer Woche hatte der gerade gewählte Politiker betont, er lehne den Bau eines Wohnhochhauses auf der Fischerinsel ab. „Städtebaulich fragwürdig“ nannte Gothe die Planung, er selbst hat viele Jahre als Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gearbeitet. Nun muss er sich von eben jener Behörde quasi belehren lassen.

Nach Informationen der Berliner Zeitung hat die Senatsverwaltung nämlich entschieden, dass die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) auf der Fischerinsel das geplante Hochhaus mit 19 Etagen errichten darf. Sie gab damit einem Widerspruch der WBM gegen eine frühere Entscheidung des Bezirks statt. Der hatte im Juni noch unter Gothes Vorgänger Carsten Spallek (CDU) das knapp 58 Meter hohe Wohnhaus abgelehnt mit der Begründung, es passe nicht in das bestehende Gebäudeensemble.

Harmonisches Stadtbild

Der Senat bewertete das Vorhaben auf dem Grundstück Fischerinsel/Ecke Mühlendamm, auf dem die WBM insgesamt 200 Wohnungen bauen will, nun ganz anders als der Bezirk. „Die geplante u-förmige Blockrandbebauung, die mit einem turmartigen, 19-geschossigen Kopfbau zur Mühlendammbrücke hin abschließt, ist eine Lösung, die sich harmonisch in den vorhandenen städtebaulichen Kontext einfügt“, heißt es in dem Senatsbescheid. Gemeint ist damit, dass der Neubau sehr wohl zu den sechs vorhandenen Einzel-Hochhäusern passt. Auch weitere Achtgeschosser würden der typischen Bebauung entsprechen, so der Senatsbescheid.

Die WBM-Planung ist das Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs, der 2015 entschieden wurde. Das Verfahren war zwischen WBM, Senat und Bezirk abgestimmt, dem Preisgericht gehörte die Leiterin des Stadtplanungsamtes Mitte an. Laut Senat musste die WBM also davon ausgehen, dass der Siegerentwurf zulässig ist. Noch-Bausenator Andreas Geisel (SPD) kritisierte daher schon im Sommer, der Bezirk sei aus dem Konsens ausgeschieden. Geisels Linie ist, dass das Land auch in der Innenstadt preiswerte Wohnungen baut. Dazu zählt die Fischerinsel – von den 200 Wohnungen sollen 30 Prozent gefördert werden (6,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter).

Gothe nannte die Entscheidung am Mittwoch „sehr überraschend und zu diesem Zeitpunkt unglücklich“. Er bezog sich vor allem auf die Tatsache, dass an der Spitze der Bauverwaltung ein Wechsel ansteht und die designierte neue Senatorin Katrin Lompscher (Linke) das Projekt skeptisch sieht. „Ich werde über das Vorhaben intensiv mit Frau Lompscher sprechen“, sagte Gothe.

Lompscher reagierte auch irritiert. In den Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen sei eigentlich besprochen worden, dass über umstrittene Vorhaben mit den Wohnungsbaugesellschaften noch gesprochen werde. „Nach meiner Einschätzung gehört das Projekt auf der Fischerinsel dazu“, sagte sie. In erster Linie wolle sie die Akzeptanz der Bürger erhöhen. Insbesondere die Bewohner des Hochhauses Fischerinsel 1 lehnen den zusätzlichen Turm ab. Unter anderem fürchten sie eine Verschattung ihrer Wohnungen. Insgesamt wurden mehr als 6 000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt.