Umwege zum 29-Euro-Ticket: Die BVG und der „Sonder-Sonderfall“

Ein 29-Euro-Ticket im Abo, mehr wollte unser Autor gar nicht kaufen. Er scheiterte digital an den Erwartungen der BVG. Und versuchte es im Kundenzentrum.

Berlin bekommt ein zeitlich befristetes  29-Euro-Ticket für den Nahverkehr. Wie Kunden an dieses kommen, ist eine andere Frage.
Berlin bekommt ein zeitlich befristetes 29-Euro-Ticket für den Nahverkehr. Wie Kunden an dieses kommen, ist eine andere Frage.dpa/Jörg Carstensen

Früher an später denken, denke ich, als klar wird, dass es dieses 29-Euro-Ticket von Oktober bis Dezember nur im Abo geben wird, und schließe schnell eins ab. Online. Zwei Wochen vor Beginn, in digitalen Maßstäben also mit ziemlichem Vorlauf. Sollte man denken.

Doch die BVG, dieses Unternehmen mit der tollen App und dem berühmten Social-Media-Team, scheint mit der digitalen Umsetzung der Blitz-Entscheidung des Senats etwas hinterherzuhinken. Dass in der App, in der sonst jedes gebuchte Ticket sofort verfügbar ist, nun gähnende Leere herrscht, damit hatte ich schon gerechnet. Irgendwo stand schließlich etwas von einer Chipkarte, die man per Post bekäme.

Doch zuerst kommt eine Mail. „Zur Ausstellung der personengebundenen VBB-fahrCard ist die Abgabe eines Lichtbildes in jedem Fall erforderlich“, steht da zum Beispiel. Wo und wie das Bild hinterlegt werden soll, steht da nicht.

Auf meine Nachfrage kommt der automatisierte Hinweis, „dass über diese E-Mail keine Anliegen zu den Themen Abonnement und Firmenticket beantwortet oder weitergeleitet werden“. Es wird auf einen Chatbot verwiesen, der ebenso wenig weiterhilft wie ein mittlerweile per Post eingetroffenes Schreiben, das Abo sei in Bearbeitung.

Der digitale Vorab-Fahrschein der BVG und die Datei, die zu groß ist

Ich mache mich selbst auf die Suche, finde im Netz ein BVG-Formular und sende ein Foto ins Nichts. Ob das geklappt hat, weiß ich nicht. Wie Menschen ohne Online-Erfahrung damit umgehen sollen, auch nicht.

Vermutlich müssen sie ganz klassisch in ein Kundenzentrum gehen, wo vorläufige Tickets ausgehändigt werden. Das muss ich nun auch, denn der Oktober naht, die Chipkarte lässt noch auf sich warten und, na ja, man soll ja früher an später denken. Auf der Website ist von einem digitalen Vorab-Fahrschein die Rede, von dem später bekannt werden wird, dass er zwischendurch ungeschützt im Internet abrufbar war. Auch Nicht-Abonnenten hätten ihn ausdrucken, ihren Namen eintragen und Bahn fahren können, ohne dass Kontrolleure es bemerken würden. Ich finde ihn hingegen nicht einmal in meiner Bestätigungsmail, wo er eigentlich angehängt sein sollte.

Mein Schlangennachbar im Kundenzentrum weiß Ähnliches zu berichten. Offenbar waren die Dateien der ersten Aussendung zu groß für den Mail-Versand, erklärt ein BVG-Mitarbeiter – und zeigt, warum man zwar auf die digitale Inkompetenz schimpfen, aber die analogen Fähigkeiten des Verkehrsunternehmens durchaus loben kann. Gleich vier Mitarbeiter nehmen sich Zeit, rätseln über meinen „Sonder-Sonderfall“ und verzweifeln an dem Computersystem, das den Ausdruck vorläufiger Tickets zumindest in meinem Fall nicht zulässt.

Das Mitgefühl ist groß, und am Ende spuckt das System immerhin die Info aus, dass die reguläre Abo-Chipkarte am Vortag verschickt worden sein soll. „Die müsste morgen bei Ihnen im Briefkasten liegen“, sagt die Mitarbeiterin. Wenn die Post sich so viel Mühe gibt wie die Kollegen hier, kann ich auf ihren Ratschlag, mir im Zweifel Einzelfahrkarten zur späteren Erstattung zu kaufen, vielleicht doch noch verzichten.