Berlin - Laut Umweltbundesamt werden „deutlich über 100 000 Menschen“ vom Lärm des künftigen Flughafens BER in Schönefeld betroffen sein. Die Behörde bemängelte am Dienstag in Berlin außerdem eine mangelnde Transparenz und öffentliche Beteiligung bei Flugroutenplanungen in Deutschland. Es sei oft nur schwer nachvollziehbar, warum bestimmte Vorschläge an die Öffentlichkeit kommen, sagte der Abteilungsleiter Verkehr und Lärm im Umweltbundesamt, Uwe Brendle.

Anlass war der Aktionstag gegen Lärm am Mittwoch, zu dem auch in Berlin zahlreiche Veranstaltungen geplant sind. In der Hauptstadt sind laut Arbeitsring Lärm der Deutschen Gesellschaft für Akustik (ALD) rund 300 000 Menschen von gesundheitsschädlichem Lärm betroffen.

Juristische Gutachten sollen zeigen, wie bundesweit eine deutlich bessere Beteiligung der Öffentlichkeit erreicht werden könne, sagte Brendle. Das Amt wolle in wenigen Monaten konkrete Verbesserungsvorschläge vorlegen.

Laut ALD gehört Berlin zu den ambitionierten Städten, was die Umsetzung der europäischen Richtlinie zum Umgebungslärm betrifft. Die Stadt habe Lärmkarten, etwa zur Belastung durch den Straßenverkehr, und Aktionspläne erarbeitet. Doch die Lärmminderung dauere zu lange. In Berlin etwa sei die Zahl der stark vom Lärm belasteten Menschen seit 2008 nur von 340 000 auf 300 000 gesunken. Wolle man alle Betroffenen entlasten, brauche man bei dem Tempo noch 30 Jahre, sagte ALD-Leiter Michael Jäcker-Cüppers.

Zu den Veranstaltungen rund um den Aktionstag gegen den Lärm zählt ein Lärmspaziergang des ALD am Freitag in Kreuzberg. Die Teilnehmer können unter anderem die Geräusche an verschiedenen Orten bewerten; Senatsvertreter wollen Aktivitäten der Berliner Lärmschutzpolitik erläutern. Rund 200 Berliner Kinder können im Deutschen Institut für Normung am Freitag viel Krach machen und ihren „Hörführerschein“ ablegen. Sie sollen dort für das Thema Lärm und die gesundheitlichen Folgen sensibilisiert werden, wie ein Mitarbeiter ankündigte. (dpa)