Berlin - Was kommt als Nächstes? Lutz Freise brennt darauf, das zu erzählen. „Als Nächstes rüsten wir eine Solaryacht zu einem Fahrgastschiff für 40 bis 50 Personen um. Mit der Sun Cat wollen wir im nächsten Jahr voraussichtlich in Köpenick die erste Solarschifflinie Berlins eröffnen“, sagt der Chef der Reederei Riedel. „Und ein anderes Schiff erhält einen Hybridantrieb.“ Ein Dieselgenerator treibt einen Elektromotor an, damit die „Spree-Blick“ mit weniger Abgasen fahren kann – noch eine Neuerung. Doch am Donnerstag wurde erst mal gefeiert, was schon fertig ist: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) verlieh der „Spree-Diamant“ eine Umweltplakette, weil sie einen Rußpartikelfilter erhalten hat.

„Wir freuen uns, dass die Reederei Riedel freiwillig auf eigene Kosten gegen die Feinstaubbelastung vorgeht“, sagte Tilmann Heuser, Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes, und überreichte Freise die grüne Plakette. Auf eigene Kosten – in der Tat: Damit die Abgase zu 95 Prozent von gesundheitsschädlichen Rußteilchen befreit werden, hat Riedel viel Geld ausgegeben.

Genehmigung nach drei Jahren

62.000 Euro kostete allein die Filtertechnik, am Ende standen knapp 90.000 Euro auf der Rechnung. „Denn wir mussten die ,Spree-Diamant‘ auch noch umbauen. Und die Messfahrten mit dem Technischen Überwachungsverein haben auch viel Geld gekostet“, berichtet Freise.

Und warum das Ganze? „Wir haben einen hohen Anspruch: Wir wollen die umweltfreundlichste Schiffsflotte in Berlin betreiben“, sagt der Geschäftsführer. „Uns geht es ökonomisch gut, weil immer mehr Touristen nach Berlin kommen. Davon sollen auch andere profitieren.“ Die Menschen, die an den Ufern spazieren gehen. Und die Anwohner der Anleger, die oft darüber klagten, dass Qualm in die Wohnung wehte. „Um sie zu entlasten, haben wir fast alle Anleger mit Stromanschlüssen ausgestattet“, so Freise. Wenn die Schiffe dort liegen, muss die Besatzung jetzt nicht mehr den Dieselgenerator anwerfen.

Einfach und billig waren diese Mini-Tiefbauprojekte jedoch nicht. „In jedem Fall brauchten wir Genehmigungen vom Bezirksamt, damit wir Kabel verlegen durften“, erzählt der Reederei-Chef. Für die Anlegestelle Moltkebrücke in Moabit dauerte das Verfahren drei Jahre. Riedel investierte 25.000 Euro. „Für den Anleger am Haus der Kulturen der Welt haben wir auch nach vier Jahren noch keine Genehmigung.“

Die Umrüstung der „Spree-Diamant“ musste Riedel selber zahlen. Wenn als Nächstes die „Kreuzberg“ einen Rußpartikelfilter erhält, gibt es eine bis zu 50-prozentige Förderung der Europäischen Union (EU). „Geld ist da. Wir hoffen, dass weitere Schiffe umgerüstet werden“, sagt Martin Lutz von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Nur vier Dampfer fahren staubfrei

Rund 100 Fahrgastschiffe schippern in Berlin über die Spree, die Havel, über Kanäle und Seen. Doch außer der „Spree-Diamant“ haben nur drei Dampfer der Stern und Kreisschifffahrt Filter. Mit der „Prenzlauer Berg“, der „Pankow“ und der „Friedrichshain“ war Berlins größte Personenreederei ab 2009 Vorreiter.

„Wir sind wild entschlossen, weitere Schiffe umzurüsten“, sagt Geschäftsführer Jürgen Loch. Doch die Bedingungen müssten stimmen. So sei unklar, ob die heutigen Filter den künftigen Anforderungen entsprechen. Sie reinigen die Abgase von Ruß, aber nicht von den ähnlich schädlichen Stickoxiden. „Angeblich plant die EU eine Regelung, die vorschreibt, dass auch Stickoxide entfernt werden“, sagt Loch. Das zweite Handicap: Auf vielen Schiffen ist in den Motorenräumen kein Platz für Filter, und Zulassungen, die nach Umbauten nötig werden, sind schwer zu kriegen. Alternative sei eine Platz sparende Technik, die mit Wasser arbeitet, aber die EU fördere sie nicht. „Viele Fragen sind zu klären“, so Loch. „Das bremst uns.“