Umweltprüfung BER: Gefahr von oben

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Keine Sorge, der Flugbetrieb am künftigen Schönefelder Flughafen wird die Seen und die Trinkwassergewinnung im Osten der Stadt nicht belasten. So versuchen der Senat und die Berliner Wasserbetriebe, die Bürger zu besänftigen. Doch die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) lässt nicht locker. Sie präsentiert weitere Dokumente, die ihrer Auffassung nach zeigen, dass auch offizielle Stellen Auswirkungen für möglich hielten. Doch deren Forderungen wurden ignoriert.

"Die Projektplanungsgesellschaft Schönefeld (PPS) hat die heutigen Krisenherde des Bürgerprotests, den Müggelsee, Zeuthener, Rangsdorfer und Machnower See, nicht auf Umweltauswirkungen untersucht", sagte ein FBI-Sprecher. Offensichtlich sollten diese Gewässer nicht im Planfeststellungsbeschluss auftauchen, um Proteste zu vermeiden.

Die Friedrichshagener hatten im Brandenburger Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, das den Flughafenbau genehmigt hat, tagelang Akten studiert. Die Bürger wollten herausfinden, wie man dort mit dem Thema Wasser umgegangen ist. Schließlich fanden sie einen Brief, den Michael Bayr, der Referatsleiter für Luftfahrt, am 16. Juni 1998 der PPS geschrieben hatte.

Senat sieht keine Gefahren

Unter dem Aktenzeichen 44.2-6441\1\101-301 ging es um eine wichtige Vorentscheidung. Mit einem so genannten Scoping sollte ermittelt werden, welche Gebiete in die Umweltverträglichkeitsprüfung des Flughafenprojekts einbezogen werden sollen. Bayr war aufgefallen, dass unter anderem der Müggelsee, der Zeuthener, Rangsdorfer und der Machnower See ausgespart werden sollten.

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Auch die Wasserwerke Johannisthal, Altglienicke, Köpenick, Rahnsdorf, Friedrichshagen, Eichwalde und Rangsdorf sowie die dazu gehörigen Trinkwasserschutzzonen sollten "nicht oder nur teilweise" einbezogen werden. In dem Brief forderte das Ministerium die Planer auf zu begründen, warum diese Gebiete nicht untersucht werden. "Es war ein geharnischter Brief", so der Sprecher. "Umfangreiche Nachbesserungen wurden darin gefordert."

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So sollten die Planer "Auswirkungen auf Grundwasserstände und -mengen" ermitteln und Worst-Case-Annahmen mit "Reaktions-szenarien zur Schadenvorsorge" entwickeln. Verlangt wurde auch ein Grundwassermonitoring – dabei wird über längere Zeit untersucht, ob und wie das Wasser belastet wird.

"Das Ministerium teilte uns nun mit, dass es auf das damalige Schreiben keine direkte Reaktion der PPS gegeben hat", so der FBI-Sprecher. Der Müggelsee und andere Gewässer blieben von der Prüfung ausgeklammert – ebenso wie der Umkreis des Müggelsees, wo Brunnen einen Großteil des Ost-Berliner Trinkwassers fördern, sowie weitere Schutzzonen.

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Im Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen von 2004 heißt es lapidar, dass Beeinträchtigungen auszuschließen seien – eine Position, die Berlin und Brandenburg bis heute bekräftigen. Auch die Wasserbetriebe: Deren Experten haben mit der Flugroute über dem Müggelsee kein Problem, eine Wassergefährdung sei "nicht ableitbar".

"Abnebeln von Treibstoff"

Doch die Bürger wollen sich weiterhin nicht auf bloße Zusagen verlassen. Wenn es angeblich klar sei, dass der Flugbetrieb das Wasser nicht belaste, hätten die Planer dies mit einer Untersuchung belegen können.

Das hatten andere Akteure 1998 ebenfalls gefordert, wie andere bei der Akteneinsicht gefundene Briefe belegen. So verlangte das Brandenburger Landesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe am 9. April vom Ministerium, den Untersuchungsraum für das Schutzgut Grundwasser auf die Einzugsgebiete der Wasserwerke Friedrichshagen, Eichwalde, Johannisthal und Rangsdorf auszudehnen. Der Märkische Abwasser- und Wasserzweckverband beschwerte sich am 8. April, dass seine Anfragen zu einem "möglichen Abnebeln von Treibstoff beim Landeanflug" nur ausweichend oder nicht befriedigend beantwortet worden seien.

Mit ihren Bedenken waren die Brandenburger nicht allein. Wie berichtet hatte die Berliner Wasserbehörde in einer Stellungnahme am 15. Juni 2000 davor gewarnt, das Wasserschutzgebiet Friedrichshagen und den Müggelsee zu überfliegen. Es müsse "grundwasserbezogen mit nachteiligen Auswirkungen gerechnet werden". Heute will der Senat davon nichts mehr wissen.

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