Man liest ja nun selten wirklich positive Dinge über die Deutsche Post. Zu langsam sei der Briefzusteller, zu teuer, die Unternehmensstrukturen verkrustet, bürokratisch, aus der Zeit gefallen. Nicht viel besser ist das Tochterunternehmen DHL beleumundet. „Wir haben Sie leider nicht angetroffen“ ist zum Aphorismus geworden für bald jede Art von verhinderbarem Versäumnis.

Dies gilt allerdings nicht für meinen Zusteller, den Martin. Martin kommt immer am frühen Abend und wenn er mich nicht antrifft, dann schickt er eine SMS. Martin ist der beste DHL-Mitarbeiter Berlins. Jedenfalls empfinden das meine Nachbarn und ich so. Martin soll nun versetzt werden, wir haben schon eine Petition für seinen Verbleib in unserem Kiez aufgesetzt.

Vielleicht sollten wir das auch für unsere Postfiliale tun, denn die hat seit kurzem geschlossen. Die Filiale befindet sich auf der Bergmannstraße, gegenüber des Friedhofs, und viele Jahre lang holte ich dort meine Pakete ab. Mittlerweile ist das nur noch selten der Fall, denn wenn sie nicht Martin bringt, dann lasse ich sie an eine Packstation liefern oder direkt an einen der vielen Spätis, die die Aufgaben übernommen haben, die früher diese Postfiliale hatte.

Ein Ort, an dem das Anstehen (fast) nicht lästig war

Ich bin aber eigentlich ganz gerne in die Bergmannstraße 72 gegangen. Sie hatte so etwas Vertrautes. Eine Postfiliale ist so ein urdeutscher Fixpunkt öffentlichen Lebens, wie das rote Logo der Sparkasse, oder das Blauweiß der Polizei, egal, ob man nun mit diesen Einrichtungen und ihrem Service zufrieden war oder ist.

Es tut mir leid, dass die Filiale geschlossen hat. Ich mochte die Frauen, die dort arbeiteten und ihre freundlich-bestimmte Art, der man anmerkte, dass sie durch viele Jahre Auseinandersetzung gestählt waren.

Wenn ich ein Einschreiben aufgeben musste, das tue ich beispielsweise immer bei der Post fürs Finanzamt, stellte ich mich gerne in der Filiale an. Einer der wenigen Orte, wo mir das Anstehen nicht lästig war. Also nicht besonders.

Eine der Frauen, die dort hinter dem Kundentresen stand, erzählte mir, dass es in Berlin nur noch zwei echte Postfilialen gäbe, denn im Grunde wären alle Poststellen genaugenommen Postbanken mit ein bisschen Briefzubehör.

Das wusste ich nicht, aber wahrscheinlich ist der Betrieb einer reinen Geschäftsstelle für den Briefverkehr einfach zu teuer. Ich weiß leider nicht, wo die Frauen meiner Filiale jetzt unterkommen werden. Ich hoffe, die Deutsche Post weiß es.